Tolles Kletterevent direkt am Bodensee:
Deutscher Bouldercup und Deutscher Speedcup
Überlingen - 15. Juli 2006

Deutscher Bouldercup 2006 (3)
Deutscher Speedklettercup 2006 (3)

[ Ergebnisse Bouldercup ]
[ Ergebnisse Deutsche Meisterschaft ]
[ Bilder 1 ] ~ [ Bilder 2 ]

Jetzt habt ihr den Salat
Samstag, 15.7.2006: in Überlingen am Bodensee ist Bilderbuchwetter und dort, wo sich bei solchen Gelegenheiten der Tourist zum gemütlichen Eis oder Wein oder Eiswein niederlässt, da stehen jetzt Boulder- und Speedwände mit bestem Blick auf das klare, grün schimmernde Wasser des Sees. Am Marktplatz im Zentrum des alten Städtchens, in dem sich schon diverse Pfahlbauer in Vorzeiten häuslich nieder ließen, bieten Obst- und Gemüsestände, Honig- und Marmeladenbuden und verschiedene Schnapsbrennereinen der Umgebung alles an, was diese schöne Gegend so an Brauchbarem hergibt.
Ganz hinten – sozusagen am Kopfende des belebten Marktes – steht ein ehrwürdiges altes Rathaus und wirft seinen altersweisen Blick auf das bäuerliche Treiben. Vor seinem Portal eine Boulderwand. Hier kann jeder üben, sich noch schnell fit machen für die auszukletternden Meistertitel am Seeufer oder von den hier rumhängenden Profis letzte heiße Tipps geben lassen. Die Kletterer, die hier rumhängen sind isoliert und man kann sicher sein, dass es selten so angenehm war abgeschottet zu sein. Die Isolation der Kletterer, die hier heute um Meisterehren kämpfen, ist im kühlen, säulengestützten Bauch des Rathauses untergebracht. Hier gibt es gut organisierte Verpflegung vom DAV-Überlingen organisiert und wer wirklich nur frische Porreestangen vor einem Boulderfinale zu sich nimmt, der findet sie problemlos auf dem Markt vor der Tür. Der Weg von hier zur Kletterwand führt über die Fußgängerzone Überlingens, vorbei an alten restaurierten Fachwerkhäusern, Weinstuben und grünen Hinterhofgaststätten. Es haben trotzdem alle rechtzeitig und relativ klaren Blicks das Ziel – die Kletterwand – gefunden.
Die wird inzwischen von zufällig vorbeischlenderndem „Sehpublikum“ umlagert. Viele Zuschauer sehen hier wahrscheinlich zum ersten Mal einen Menschen, der an einer seltsam schiefen Wand hochzugehen versucht und dabei nur einige möglichst gemein angebrachte bunte Knubbel benutzen darf. Alles was normalen Menschen jetzt helfen würde – eine Leiter, der bequeme Weg über die Rückseite oder ein freundlicher Mensch, der sich die Hände beim Räuberleiter-machen schmutzig macht – ist streng verboten! Trotzdem fasziniert das Spektakel.
Und das ist noch lange nicht alles. Der Sponsor Vaude präsentiert Junge Mode – schöne und fetzige Textilien. Die Models können einem Leid tun, sie präsentieren viel zu warme Outfits auf einem Laufsteg in praller Sonne am Bodenseestrand. Kaum sind sie erlöst, werden Palettenstapel auf dem Platz verteilt. Eine Gruppe Mountainbiker zeigt was man auf zwei Rädern alles überfahren kann. Die Klettergemeinde hat sich mittlerweile dahin zurückgezogen, wo wahrscheinlich jetzt alle am liebsten wären – ins kühle Nass des Bodensees. Hier am Anlegeplatz im Herzen Überlingens legen Schiffe an, wie der Name verrät und deshalb ist hier das Baden streng verboten – offiziell! Die hölzernen Anlegerpoller werden als Sprungbretter genutzt. Das Spektakel unterhält die Touristen, bringt die Wasserschutzpolizei in Bewegung und der strengen Autorität weicht der abgekühlte Kletterer – bis die Uniformierten andere Notfälle beheben müssen.
Es wird Abend und der Blick richtet sich zum Seeufer. Dort steht die Speedwand. Zwei identische Touren mit roten Knubbeln markieren den Weg bis in 16 Meter Höhe. Das Verrückte: hier geht es nicht nur darum die Höhe ohne Panikattacken und Absturz zu bewältigen. Wer da ganz vorne mitmischen will, muss die schräge Wand möglichst schnell hoch. Jeder Gecko würde blass, jeder Affe würde sich schamvoll in die nebenstehenden Palmen verziehen.

Dicht gedrängt füllen die Zuschauer den Platz, über dem Bodensee geht die Sonne unter, ein kühler Windhauch bringt Erleichterung von außen. Von innen kühlt das Bier vom Zapfhahn. Ein – strengstens verbotenes - Bad im See rundet für die Klettercommunity ein echtes Boulder- und Speed-Highlight ab und zum Dank veranlassen sie mit vereinten Kräften den DAV-Sportkletterchef Wolfgang Wabel in voller Montur zu einem filmreifen Salto in die Fluten.

Was hat das jetzt alles mit dem eingangs erwähnten Grünzeug zu tun?
Ganz einfach: der Cup in Überlingen war perfekt organisiert. Vom DAV, von vielen, vielen Helfern, von den Schraubern, vom professionellen Ergebnisdienst, von Überlingen, vom Service, von begeisterten Zuschauern, von den Sponsoren und selbst der Herrgott hat gestrahlt bei diesem Anblick. Die Messlatte liegt so hoch, was wollt ihr beim nächsten Cup auf die Beine stellen, um das zu toppen oder zumindest gleichzuziehen?
Eben – jetzt habt ihr den Salat!
Hein Stein

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letztes Upload: 20.07.2006

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