Boulder-World-Cup

30./31.0 März 2007 in Erlangen
[ Bilder ]

Jonas Baumann – Dritter in Erlangen ! Chronologie der Ereignisse oder wie das Highlight des deutschen Wettkampfkalenders 2007 zum absoluten Knüller wurde.
  • Donnerstag, 14 Uhr: In Gedanken bin ich längst auf der Autobahn Richtung Erlangen unterwegs, während ich mit Hochdruck die vor den Osterferien unbedingt zu erledigenden Dinge im Job abarbeite.
  • Donnerstag, 21 Uhr: Gut gelaunt, entspannt, noch nicht ahnend, welchen Adrenalinschüben wir an den nächsten beiden Tagen ausgesetzt sein werden, sitzen wir Schiris, Routenbauer, Offiziellen... beim Italiener beieinander.
  • Freitag, 8.30 Uhr: Briefing der Boulder-Schiedsrichter ist angesagt. Noch etwas verschlafen bestaunen wir die neuen Boulderwände des DAV und den neuen hohen Boulderpilz. Heftig wird diskutiert ( und dann doch verworfen ), ob der ein oder andere Boulder mit einem Top-Out auf dem Boulderpilz enden soll.
  • Freitag, 11.45 Uhr: Ruhe vor dem Sturm. Alle Vorbereitungen sind erledigt, die offiziellen Wettkampf-„Zahn“bürsten - in letzter Sekunde noch besorgt - sind eingetroffen, die Putzer eingewiesen, die Schiris an ihren Plätzen, das Sicht- und Zeichensprache-Kontaktsystem mit den Ergebnisdienstlern von Digital Rock perfektioniert, die guten Feen der Sektion Erlangen haben ihre Runde gedreht und uns Schiris mit allem versorgt, was ein Schirimagen in den nächsten 6 - 7 Stunden Non-Stop-Arbeit während der Qualifikation so alles benötigt.
  • Freitag, 11.59 Uhr: Als Team-Leaderin der Herren-Schiris stehe ich an Boulder 1 bereit, begleitet von Fotografen und Kameraleuten warte ich auf den ersten Kandidaten, Aric Merz vom deutschen Team. Punkt 12 Uhr geht’s los. 52 mal im Laufe der nächsten mehr als 5 Stunden spule ich meine Eröffnungsworte herunter, begleitet von ausholenden Gesten, um auch denen gerecht zu werden, die des Englischen nicht so mächtig sind: Hi ... , you have to start here with your hands, one foot there and the other one there. Up there is the bonus and the grey one is the top. Okay? … Then good luck!
  • Freitag, 17.20 Uhr: Der letzte Wettkämpfer an meinem Boulder ist durch. Nun kann ich ein wenig durchatmen und mich über die Ergebnisse der Damen informieren. Hier liegen aus deutscher Sicht Freud und Leid nah beieinander: Sonja Schade hat nach einer erstklassigen Vorstellung auf Platz 11 liegend das Halbfinale erreicht, während Juliane Wurm trotz ihrer 5 Tops auf Grund nur weniger Mehr-Versuche mit Rang 23 knapp daran vorbei geschrammt ist.
  • Freitag, 18.20 Uhr: Endlich sind auch alle Herren fertig, die Auswertung zeigt, dass Jonas Baumann, Peter Würth und Markus Hoppe - gerade noch so als 20ster - das Halbfinale erreicht haben, eine super Bilanz des 1. Wettkampftages. Für den NRWler Torsten Schuldt lautet das Fazit: Es war schön, dabei gewesen zu sein.
  • Freitag, 19 Uhr: Essen beim Inder und der faszinierende Dia- und Filmvortrag von Holger Heuber und Kurt Albert über ihre Expedition in Venezuela runden den Tag ab.
  • Samstag, 9.15 Uhr: Wieder stehen wir zum Schiedsrichter-Briefing in der noch fast leeren Halle zusammen. „Meine“ Herren-Schiris sind rasch für die nun folgenden Aufgaben instruiert: Boulder verteilt, Bürsten bereit gelegt, Putzer besorgt, Boulder mit Andi durchgesprochen, Listen und Klemmbretter besorgt, Stoppuhren geprüft, Absprachen mit den Fotografen getroffen, ... – es kann losgehen.
  • Samstag, 11 Uhr: Das Halbfinale beginnt. Schnell zeigt sich, dass die Routenbauer Laurant Laporte und Reini Fichtinger, unterstützt durch Andi und Chris Bindhammer, die hier ihr Praktikum für den Internationaler Routenbauerschein absolvieren, den 20 Herren absolut harte Nüsse geschraubt haben. Peter Würth hat keine Chance, Markus Hoppe schafft es immerhin auf Platz 11 und Jonas Baumann? Er wächst schier über sich hinaus, holt sich gleich am 1. Boulder auf absolut souveräne Art und Weise im 1. Versuch die Zone! Dennoch wird es eine Zitterpartie. Jede Sekunde Pause, die mir mein Schiri-Job lässt, verfolge ich Jonas an den weiteren Problemen, rechne mit, schafft er den Einzug ins Finale oder nicht, es bleibt absolut eng.
  • Samstag, gegen 12 Uhr: Wie ein Lauffeuer scheint sich in der Erlanger Kletterszene herumgesprochen zu haben, dass sich hier eine Sensation anbahnt. Immer zahlreicher strömen die Zuschauer in die Halle, die Stimmung ist aufgepeitscht, die Anfeuerungsrufe für Jonas und die Beifallsstürme ob seiner sensationellen Leistung schwellen immer mehr an: 2. Boulder für Jonas: 1. Versuch – und Durchmarsch bis zum Top! Der Grundstein ist gelegt!
  • Samstag, 14 Uhr: Die Einspruchsfrist ist abgelaufen, die Finalisten stehen fest, die Sensation ist perfekt: Jonas hat es als 6. geschafft, er ist im Finale, die Halle jubelt ohrenbetäubend, wir Schiris ob der gebotenen Objektivität leise und abseits des Rampenlichts. Für Sonja ist es leider nicht so gut gelaufen, Platz 19 heißt am Ende die Bilanz ihres ersten internationalen Einsatzes. Ihre starke Vorstellung in der Quali lässt für die Zukunft aber hoffen.
  • Samstag, 18 Uhr: Die letzte Runde wird eröffnet. Wieder ist Briefing angesagt. Wir Schiris klären die Besonderheiten des internationalen Modus. In bewährter Manier teilt „mein“ Herren-Team die Aufgaben, trifft letzte Vorbereitungen, gespannte Ruhe macht sich breit, die ersten Wetten werden entgegen genommen: Ich wette, dass Jonas nicht Letzter wird!
  • Samstag, 19 Uhr: Die Halle ist voll, die Stimmung super! Bei der Präsentation der Finalisten brandet ohrenbetäubender Beifall auf, als Jonas aufgerufen wird. Dann geht es los! Zone gleich im ersten, Top im dritten Versuch, Zwischenplatz 5 heißt für Jonas die Bilanz nach dem 1. Boulder, eine gute Ausgangsposition. Deutlich ist zu spüren: hier ist mehr drin!
  • Samstag, 19.30 Uhr: Jonas an Boulder 2: 1. Versuch – Zone erreicht – Top geschafft – die Halle tobt! Jonas in Führung auf der Anzeigentafel! Kein anderer Finalist kann diese Leistung einstellen! Heute scheint einfach alles zu passen bei Jonas. Unsere internen Wetten schielen schon einmal ganz vorsichtig Richtung Siegerpodest!
  • Samstag, ? Uhr, die Zeit ist irgendwo in diesem Hexenkessel verlorengegangen: Boulder 3 hat's in sich: Der Einstieg über die Halbkugel zur Zone – für Jonas kein Problem, das Top aber bleibt unerreicht. Nur der spätere Sieger Mykhalo Shalagin kann hier toppen, für alle anderen geht der Boulder als Nullrunde in die Bilanz. Jonas auf dem Treppchen – dieser kühnste aller Träume scheint greifbar nahe, die Wetten lauten nun ganz klar Platz 3 und am Ende der Boulder 4-Runde, die für alle Finalisten noch einmal ein persönliches Erfolgserlebnis wird, alle können ihn flashen, steht es fest: Zum ersten Mal in der Geschichte des Boulder-Weltcups steht ein Deutscher in Deutschland auf dem Treppchen: Jonas Baumann aus Dortmund, für die Sektion Wuppertal startend, aus dem mittlerweile erfolgsverwöhnten nordrhein-westfälischen Landeskader!!!!!!!!!!!!!!!!!!
  • Samstag, 21.15 Uhr: Fast sentimental verfolgen wir Schiris, wie hinter dem Siegerpodest zu den Klängen der ukrainischen Nationalhymne die Fotos der 3 Treppchenleute erscheinen, die dann von den Farben der jeweiligen Landesfahnen überzogen werden – ein wunderschöner Effekt, mit dem das Digital Rock-Team diesem aus deutscher Sicht Wettkampf der Superlative das i-Tüpfelchen aufsetzt.
  • Samstag, irgendwann ;-) : Die Worldcup Party ist in vollem Gange. Alle, die zu diesem gelungenen Spektakel beigetragen haben, Aktive, Trainer, Betreuer, Routenbauer, Schiedsrichter, DAV- und IFSC - Offizielle ... und natürlich die vielen freiwilligen Helfer der Sektion Erlangen feiern gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden.
  • Sonntag, 10.15 Uhr: Wieder auf der Autobahn, zurück gen Heimat, lasse ich die Eindrücke Revue passieren. Fazit: Der beste Wettkampf, den ich je mitgemacht habe, sportlich Spitzenklasse, von der Organisation her Spitzenklasse – danke liebe Erlanger – und von der Stimmung her Spitzenklasse – was will man mehr? Was man mehr will! Ist doch klar! Eine Neuauflage im nächsten Jahr – und ich möchte wieder hautnah dabei sein!
Burgi Beste
Bilder: xnx & Sonja Schade


letztes Upload: 03.04.2007

Startseite