Deutscher Bouldercup 2008
2. August 2008 - Überlingen

Deutsche Speedklettercup 2008
2. August 2008 - Überlingen

Sun & Fun am Bodense: Die deutschen Bouldermeister stehen fest!
Petrus muss ein Boulderer sein: Während wenige Kilometer weiter in den Bergen das Gewitter-Inferno tobte, bekamen die Kletterer in Überlingen nur am Vorabend zum DAV-Sektionen-Cup einen kleinen Regenguss ab. Zum kombinierten Highlight DAV Boulder- und Speedcup am Samstag zeigte sich das Wetter dann wieder wie zum Termin in Überlingen schon gewohnt von seiner besten Seite: Hochsommerliche Temperaturen ließen den Boulderern die Finger glühen und die Schuhe an der Bouldermatte festkleben - so manch einer suchte in den Wettkampfpausen das kühlende Bad im Bodensee… Zur Boulder-Beach-Party am Bodensee waren 41 Männer und 15 Frauen aus Deutschland, Österreich und Italien angereist, um am Seeufer die Meister zu ermitteln. Nach dem gemeinsamen Cup mit dem OeAV in Kitzbühel gab es auch in Überlingen für die OeAV-Starter Punkte für den Austria-Boulder-Cup.
Internationales Starterfeld im Damenfinale

Nach der Hitzeschlacht in Qualifikation und Halbfinale hatten es schließlich sechs Damen geschafft und durften ein drittes Mal an diesem Tag an die Wände. Dabei war das Starterfeld im Damenfinale bunt gewürfelt: Milena Krämer aus Erlangen, die Österreicherinnen Franziska Saurwein und Barbara Zangerl, die international für Schweden startende Angelica Lind (Allgäu-Immenstadt) sowie Juliane Wurm (Wuppertal) und Natalie Sailer (Augsburg). Bei den Damen war damit das Rennen um den Gesamtsieg und den Deutschen Meistertitel vor dem Finale noch offen – sowohl Milena Krämer als auch Natalie Sailer hatten rechnerisch noch Chancen auf den Gesamtsieg. Bei hervorragender Stimmung unter den rund 800 Zuschauern stellten sich die Damen den 4 Finalbouldern des Routenbauer-Quartetts Christoph Finkel / Maxi Klaus / Tobias Reichert und Sonja Schade. Die Routenbauercrew musste sich bei ihren Finalkreationen schon in Richtung Weltcup-Schwierigkeiten orientieren, war mit Angelica Lind doch eine der derzeit best platzierten Frauen im Boulder-Weltcup (Rang 6) unter den Finalistinnen und auch Barbara Zangerl gehört mit ihren Fels-Begehungen bis FB 8a+ sicherlich zu den stärksten Frauen weltweit. Aber allen internationalen Meriten der Konkurrenz zum Trotz zeigte einmal mehr Juliane Wurm, dass sie derzeit national nicht zu schlagen ist: Auch wenn sie nach dem Halbfinale Angelica noch den Vortritt lassen musste, war die sympathische Wuppertalerin im letzten Durchgang die einzige, die alle vier Finalboulder klettern konnte und sich damit verdient den Tagessieg sicherte. Nur Angelica konnte ihr mit 3 gekletterten Bouldern noch halbwegs Paroli bieten und wurde Zweite – sie war es auch, die die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinriss, als sie in Boulder 4 eine Kostprobe ihrer Beweglichkeit gab, um den Topgriff zu erreichen. Auf Rang drei landete Natalie Sailer knapp vor Barbara Zangerl und Franziska Saurwein. Milena Krämer wurde Sechste.

Natalie Sailer neue Deutsche Meisterin im Bouldern
Das Podium reichte Natalie Sailer schließlich für den Gesamtsieg im Bouldercup und damit den nationalen Meisterehren – mit ihrem dritten Platz konnte sie Milena Krämer auf den zweiten Platz der Gesamtwertung verweisen; Dritte in der DM-Wertung wurde die Reutlingerin Ines Bischoff, die in Überlingen im Halbfinale leider etwas Pech hatte und auf dem 10 Platz landete. Die Tagessiegerin Juliane Wurm war leider erst zum Cup in Überlingen in das nationale Bouldergeschehen eingestiegen, nachdem sie die ersten Cups wegen eines Auslandsaufenthaltes in Frankreich verpasst hatte. Das diese Monate wohl ihrer Kletterform zuträglich waren, konnte sie nach ihren Siegen beim DSC in Dresden und Forchheim nun auch beim Bouldercup in Überlingen unter Beweis stellen – auch der 13. Platz beim Boulder-Weltcup in Montauban (F) Anfang Juli lässt für den Rest der Saison hoffen. International wird sie neben der Jugend-WM Ende August in Sydney auch mit der neuen Meisterin Sailer zur EM Mitte Oktober nach Paris fahren um die Fahnen des DAV hochzuhalten.
Neue Gesichter im Herrenfinale, Materialbruch im Halbfinale
Es muss einfach an der Hitze gelegen haben, die das Kunstfaser-Material aufgeweicht hat: Im Halbfinale der Herren sorgte ein „Technical Incident“ wie es im offiziellen Schiedsrichter-Jargon so schön heißt, kurzerhand für eine humoristische Einlage: Der Illertissener Christoph Zöh fand sich plötzlich unter einem großen Volumen begraben auf der Matte wieder – die GFK-Struktur konnte seinen unglaublichen Kraftattacken nicht mehr standhalten und riss einfach aus der Wand…
Daraufhin wurde die Struktur vom Routenbauerteam mit allen noch verfügbaren Schrauben an die Wand geknallt – es sollten schließlich noch die stärksten Herren kommen… Von soviel Urgewalt seiner selbst beeindruckt, durfte Christoph nach einer kurzen Pause erneut an den Boulder – leider reichte es ihm mit dem abschließenden 9. Platz nicht ganz für das Finale der besten Sechs. Hier versammelten sich schließlich die beiden Bouldercup-Finalnovizen Markus Grünebach (München-Oberland) und Frank Jaenecke (Leipzig), sowie die „alten Bekannten“ Stefan Danker (Landshut), Markus Hoppe (SBB), Thomas Tauporn (Schwäbisch Gmünd) und der Wuppertaler Jonas Baumann. Für den bereits vor dem Wettkampf feststehenden neuen deutschen Meister, Andre Borowka (SBB), war leider bereits nach dem Halbfinale Schluss – er wurde Zehnter. Unter den Finalisten ging es nun auch um das Podium der Gesamtwertung – hier hatten Jonas Baumann und Markus Hoppe noch Chancen auf den Vizemeistertitel. Nach dem Halbfinale sah alles noch nach einem Duell zwischen Stefan Danker, Markus Hoppe und dem überraschend starken Frank Jaenecke aus – diese drei hatten als einzige Starter drei der vier Halbfinalboulder klettern können. Zum Finale spielte dann aber Jonas Baumann seine Karten aus: Der derzeit stärkste Deutsche im Boulder-Weltcup (Rang 17) konnte drei der vier Boulder flashen und den abschließenden Sprungboulder gar als einziger im zweiten Versuch knacken, so dass er den Sieg mehr als verdient mit nach Hause nehmen konnte. Stark auch der Zweite, Thomas Tauporn: Er konnte drei der vier Boulder klettern und verwies Stefan Danker auf Rang drei. Stefan hatte sich im dritten Boulder mit sieben Versuchen aufgerieben – auch das sicherlich ein Grund, warum für ihn am abschließenden Sprung der Ofen aus war. Vierter wurde Markus Hoppe vor Markus Grünebach und Frank Jaenecke.
Der Meister kommt aus Sachsen: Andre Borowka ist der Boulderkönig 2008
In der Gesamtwertung um den deutschen Meistertitel konnte sich Jonas Baumann mit seinem Tagessieg hinter dem neuen Bouldermeister Andre Borowka noch den Vizemeistertitel vor Markus Hoppe sichern – damit hatte Jonas mit seiner Freundin Juliane Wurm am Abend bei der Boulder-Party einen ordentlichen Anlass zum Feiern und mit den Doppel-Schecks von Gesamtwertung und Tagessieg auch genügend Kleingeld, um die Zeche zu begleichen…
Nächtlicher Speedcup-Auftakt am See
Nach dem Schwer-Klettern ging es zu später Stunde noch ans Schnell-Klettern: Mit einer Night-Session an der 10 Meter hohen SintRoc-Normwand startete der erste deutsche Speedcup 2008 – die meisten der Kletterer waren schon vom Bouldern und der Hitze sichtlich geplättet, so dass nur einer der Herren unter der erwarteten 7 Sekunden-Marke, beziehungsweise eine Dame unter 10 Sekunden blieb. Besonders bitter war für einen der Favoriten das Ausscheiden gleich zu Beginn in der Qualifikationsrunde: Der amtierende deutsche Speedmeister Johannes Lau (Frankenthal) rutschte vom Griff und musste den weiteren Wettkampf als Zuschauer verfolgen. So sah er den jungen Maximilian Porscha (Schwaben) gleich bei seinem ersten Speedcup zu seinem ersten Sieg spurten – in Baden-Württemberg trainieren derzeit einige hoffnungsvolle Speed-Talente. Jonas Baumann konnte als Zweiter seiner Preisgeldsammlung einen weiteren Scheck hinzufügen; Mathias Conrad (Zweibrücken) wurde Dritter. Bei den Damen konnte sich die neue Deutsche Bouldermeisterin Natalie Sailer auch beim Schnellklettern behaupten – sie gewann vor Juliane Wurm und Isabell Haag (Schwaben). Weiter geht es im Speedcup mit dem zweiten Wettbewerb am 25.10. in Leipzig.
Überlingen: to be continued…
Nachdem bereits zum vierten Mal der Bouldercup in Überlingen zu Gast war, hat OK-Chef Markus Dufner vom lokalen Ausrichter MCD Sportmarketing, der mit der Sektion Überlingen vor Ort das Geschehen koordinierte, auch für das kommende Jahr seine Kooperation angekündigt. Das Konzept mit einem Boulder- und Speedcup, der an den touristischen Knotenpunkten quasi zu den Zuschauern kommt, ging wieder einmal voll auf: Durchgängig mehrere hundert Zuschauer, viele davon Neulinge im Klettersport, zeigten sich von den gebotenen Leistungen schwer beeindruckt. Auch das Rahmenprogramm, wie ein Highline-Contest über dem See, den das DAV Exped-Kader-Mitglied Fritz Miller für sich entscheiden konnte, einer Bike-Trial-Show oder dem Publikumsklettern an der Speedwand trugen zum Erfolg des Cups bei. Zudem war der spitzensportlich orientierte Samstag in den AOK-DAV Sektionen-Cup am Freitag und den Volksbank-Stadtmeisterschafts-Cup am Sonntag auch breitensportlich eingebettet.
Im nächsten Jahr soll mit zusätzlichen Startern aus der Schweiz ein echter „Dreiländercup“ ausgetragen werden – ein weiterer Grund also, auch im Sommer 2009 die Badehose in den Kletterrucksack zu packen…
Komplette Ergebnisse des Boulder- und Speedcups unter www.digitalrock.de
Text: Matthias Keller
Bilder: © N. Altmeier (1), DAV / Marlis Langer
Die Partner des DAV-Bouldercups:
Bänfer
T-Wall SintRoc/ ecogrips
 

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letztes Upload: 05.08
.2008

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