Deutscher Bouldercup 2008
26. April 2008 - Pforzheim

Deutsche Jugendmeisterschaft Bouldern
27. April 2008 - Pforzheim

 
Deutscher Bouldercup 2008 (3)
26. April 2008 in Pforzheim

Deutsche Jugenmeisterschaft Bouldern 2008
27. April 2008 in Pforzheim
[ Bilder von Matthias Keller ]
Für ein Wochenende war Pforzheim der Nabel der Boulderwelt:
DAV Bouldercup und DM Bouldern Jugend
Pforzheim und Bouldern - das war bislang ungefähr so miteinander verbunden wie ein Free Solo-Kletterer mit dem Seil. Aber das wird sich wohl demnächst ändern, denn nach dem letzten Wochenende hat sich Pforzheim als Top-Location für die Boulderer empfohlen. Zwar hatten die Kletterer aufgrund der abgesagten Ventura-Outdoor-Messe die riesige St-Maur-Eissporthalle komplett für sich alleine, dies tat aber der Stimmung an beiden Tagen keinen Abbruch - und den gezeigten sportlichen Leistungen sowieso nicht. Am Samstag waren zuerst die Damen und Herren an der Reihe, für die Jugend ging es dann am Sonntag um die sprichwörtliche Meisterwurst - erstmalig wurde 2008 eine Deutsche Jugendbouldermeisterschaft für alle drei Altersklassen ausgetragen. Nachdem bei den ersten beiden Bouldercups in München und in Kitzbühel bei Rekordbeteiligung noch ordentliches Gedränge auf der Matte geherrscht hatte, hatten sich diesmal doch recht überschaubare 32 Herren und 11 Damen nach Pforzheim aufgemacht. Hier warteten die Nüsse des Routenbauer-Trios Christian Bindhammer, Tobias Reichert und Tom Brenzinger, die es zu knacken galt.
Sachsenpower at its best: Andre Borowka sichert sich mit seinem Sieg vorzeitig den Deutschen Bouldermeistertitel!
Nachdem es in der Qualifikation noch nach einem Showdown zwischen Jonas Baumann (Wuppertal) und Markus Hoppe (SBB) ausgesehen hatte, da beide als einzige alle vier Qualiboulder flashen konnten, wurde im Halbfinale wieder einmal deutlich, dass beim Bouldern sehr oft der gewisse "Lieg-Faktor" mit entscheidet: Nachdem Jonas und Markus mit der großen Sloperkugel in Boulder 2 (aka: "Unterarm-Haut-Shredder") überhaupt nicht zurecht kamen und diesen Boulder nicht klettern konnten, mussten die beiden Favoriten unerwarteterweise als Zuschauer das Finale verfolgen. Etwas mehr Haut übrig auf den Unterarmen hatten aber die 6 Finalisten, die alle vier Halbfinalboulder klettern konnten: Andre Borowka (SBB) und Daniel Jung (Siegerland) sogar im Flash, Peter Würth (Ludwigshafen), Aric Merz (Freising), Markus Jung (Siegerland) und Mathias Conrad (Zweibrücken) brauchten einige Versuche mehr. Letzterer hatte einen sehr guten Tag erwischt, denn zuvor war es dem Junior noch nie gelungen, auch nur einen einzigen Boulder im Herren-Halbfinale zu klettern und nun gleich alle 4 und davon sogar drei im Flash. Es hatte wohl an seiner (O-Ton) "Talismann-Unterhose" mit den Comic-Schafen gelegen, die er fortan wohl immer zum Bouldercup anziehen sollte...
Im Finale wurden den sechs Recken knüppelharte Boulder präsentiert: Nur einer schaffte es, zwei Boulder zu klettern und hatte damit auch den Sieg in der Tasche: Andre Borowka flashte eindrucksvoll zwei der harten Testpieces und machte mit dieser Leistung bereits beim dritten von vier Cups den Sack zu, was die Gesamtwertung und die Meisterehren im deutschen Bouldercup angeht. Mit seinem Tagessieg sicherte sich Andre vorzeitig den Titel "Deutscher Bouldermeister 2008" und kann somit beim Finale in Überlingen entspannt aufklettern. Die Platzierungen hinter Andre entschieden sich durch die Versuche an einem Boulder und den weiteren erreichten Bonusgriffen: Auf Rang zwei folgte Daniel Jung vor Peter Würth und Aric Merz. Markus Jung wurde schließlich Fünfter vor Mathias Conrad, dessen Talismann - Unterhose im Finale anscheinend ein klein wenig den Dienst versagte...
Sachsenpower, die Zweite: Luisa Neumärker ganz oben auf dem Treppchen
Die elf Damen des Starterfeldes nutzten die Quali noch zum "erweiterten Aufwärmen" - sieben von ihnen konnten die Boulder locker flashen. Im Halbfinale sah das Ganze dann aber schon anders aus - nur der favorisierten Natalie Sailer (Augsburg) und der stark kletternden Luisa Neumärker (SBB) gelang es, auch die Halbfinalboulder zu flashen. Ines Bischoff (Reutlingen) sowie Monika Retschy (München-Oberland) brauchten jeweils einen Versuch mehr für die vier Boulder. Die sechs Finalistinnen wurden komplettiert durch Milena Krämer (Erlangen) und Irina Mittelman (Frankfurt). Den Damen kam sicherlich auch zu Gute, dass die Gewinnerin des ersten Bouldercups auf der Ispo und Drittplatzierter beim Boulder-Weltcup in Hall, Angelica Lind, wegen einer leichten Schulterverletzung in Pforzheim sicherheitshalber auf einen Start verzichtet hatte, um sich für den Weltcup zu schonen. Sportlich war es jedoch schade, dass die derzeit einzige Starterin in Deutschland mit Weltcup-Level in Pforzheim nicht antreten konnte - auch weil die Performance der hübschen Schwedin immer eine Augenweide ist.
Im Finale lief das Geschehen schnell auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Luisa Neumärker und Ines Bischoff hinaus - beide konnten schließlich alle vier Boulder knacken, wobei Luisa hierfür zwei Versuche weniger benötigte und damit nach dem Sieg beim in Traunstein 2006 ihren zweiten Erfolg beim Bouldercup feiern konnte. So konnten die Sachsen am Abend mit dem Siegersekt auf einen Doppelsieg in Pforzheim anstoßen. Auf dem dritten Platz folgte Natalie Sailer vor Milena Krämer, Monika Retschy und Irina Mittelman. Im Rennen um die Gesamtwertung im Deutschen Bouldercup und den Meistertitel ist somit noch alles offen - anders als bei den Männern wird erst das Finale in Überlingen die Entscheidung bringen.
Bouldern auf höchstem Niveau bei der Jugend-DM
Am Sonntag stand alles im Zeichen der jugendlichen Boulderer: Erstmals wurde auch für die "Kleinsten" der Jugend B eine Deutsche Bouldermeisterschaft ausgetragen und vor allem hier war zu sehen, dass durch die Kletterhallen und Leistungsgruppen bereits in jungen Jahren ein beachtliches Bewegungsrepertoire und Kraftniveau geschaffen wird.
Besonders beeindruckt waren die Zuschauer vom 13-jährigen Lukas Bolesch (München-Oberland), der trotz seines Körpergrößen-Handicaps ein unglaubliches Bewegungsgefühl demonstrierte. Der Routenbauer Tobi Reichert kommentierte seine Versuche in den Finalbouldern mit einem Superlativ nach dem anderen: "Unglaublich!, Wahnsinn! Habt ihr das gesehen?..." Vom Meistertitel in der Jugend B wurde Lukas wohl nur durch seine manchmal doch eben nicht ganz ausreichende Körpergröße abgehalten. Aber auch die anderen der insgesamt 83 Jugendstarter zeigten, dass man beim DAV in den nächsten Jahren noch einiges an hervorragenden Kletterern zu erwarten hat - die Bundesjugendtrainer nutzten die Meisterschaft auch zum Talentscouting und einige Namen wurden diesbezüglich notiert...
Nach spannenden Finals und einer tollen Wettkampfatmosphäre standen schließlich die neuen Jugend-Bouldermeister fest: In der Jugend B machten Isabell Leiner (Zweibrücken) und Alexander Megos (Erlangen) das Rennen, bei der Jugend A konnten die beiden Jugend-Nationalkader-Mitglieder Isabell Haag (Schwaben) und Thomas "Shorty" Tauporn (Schwäb.-Gmünd) den Titel einfahren. Letzterer war gerade noch eine Woche zuvor beim Boulder-Weltcup in Hall an den Start gegangen, wo er immerhin vier der fünf Qualiboulder klettern konnte - sein Sieg in Pforzheim war also keine Überraschung. Bei den Junioren konnte Luisa Neumärker mit 4 Flashs im Finale eindrucksvoll ihren Sieg vom Vortag bei den Damen wiederholen - sie war die Einzige, die den schweren Finalboulder Nr. 4 klettern konnte. Und auch der Sieger bei den männlichen Junioren hatte am Vortag bei den Herren bereits mit Finaleinzug geglänzt: Mathias Conrad holte sich den Jugendtitel - seine Unterhose hatte wieder Wirkung gezeigt...
Optimaler Ablauf und Support vor Ort
Ein großer Dank gebührt den lokalen Partnern vor Ort: Die Pforzheimer Kongress- und Marketing GmbH sowie die Agentur Pro>Concept sorgten für einen absolut reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen und trugen einen maßgeblichen Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei. Auch im nächsten Jahr bei der dann stattfindenden Ventura-Outdoor-Messe hoffen alle Beteiligten auf eine erneute Kooperation.
Finalhighlight am 2. August in Überlingen: Beach & Boulder auf dem Bodensee
In diesem Jahr wird das schon traditionelle Cupfinale in Überlingen nicht nur wegen der sommerlichen Atmosphäre und des spannenden Finales ein absolutes Highlight: Weltweit erstmalig wird ein Boulderwettkampf auf dem Wasser durchgeführt - die Viererkette wird im Hafen auf einem schwimmenden Ponton aufgebaut, der über eine kleine Brücke begangen werden kann. Auch sportlich wird es mit den zusätzlich startenden Schweizer Top-Boulderern und den Österreichern, die nach dem Cup in Kitzbühel auf eine Revanche sinnen, hoch hergehen. Für die Österreicher zählt der Cup in Überlingen ebenfalls zur nationalen Austriacup-Wertung.
Auch die Speedkletterer müssen mit einer geringfügig schwankenden Wand rechnen, denn auch beim ersten DAV-Speedcup 2008 wird auf dem Ponton im Bodensee geklettert. Und wenn das Wetter noch so gut ist, wie in den letzten Jahren, dürfte einer Boulder-Beachparty am Bodensee nichts mehr im Wege stehen!
Bericht: Matthias Keller
 

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letztes Upload: 29.04
.2008

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