Der Deutsche Sportklettercup 2008 im Magnesia / Forchheim
Franggen rockt! Danker & Wurm machen das Rennen beim zweiten Sportklettercup 2008 in Forchheim – mehr als 100 Jugendliche beim DAV-Jugend- und Juniorencup am Start.
Auch wenn der Franke gemeinhin dafür bekannt ist, bei allen Bedingungen raus an den Fels zu fahren: Am Wochenende 19./20. Juli drehte sich klettertechnisch im Felsmekka Fränkische Schweiz trotz bester Outdoor-Bedingungen ausnahmsweise alles einmal um das Plastikklettern – beim zweiten Deutschen Sportklettercup und DAV Jugend- und Juniorencup in der Forchheimer Kletterhalle Magnesia traten 21 Damen, 32 Herren und 108 Jugendliche an, um Ranglistenpunkte zu sammeln und die Tagessieger zu ermitteln. Und nur wenige dürften es bereut haben, an den beiden Tagen nicht in der Fränkischen am Fels unterwegs gewesen zu sein…
Stefan Danker bei den Herren nicht zu stoppen
Es war sein Tag: Bereits in der Qualifikation konnte der sympathische Landshuter souverän beide Routen top klettern und so stand er schließlich mit den weiteren Kandidaten Andreas und Christian Bindhammer (Allgäu-Kempten), Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd), Markus Hoppe (SBB), Benjamin Sillmann (Freiburg), Jan Hojer (Frankfurt) und Stefan Brugger (Hochrhein) im Finale. Hier wartete dann eine lange Schleife durch die komplette rechte Wettkampfwand auf die Akteure, bei der Stefan ebenfalls nichts anbrennen ließ: Vor allem in der extrem anspruchsvollen Dachsequenz an der roten Kugel legte er eine fehlerfreie Vorstellung hin und ließ sich auch nicht von der trittlosen Abschlussquerung abwerfen. Mit einem Freudenschrei clippte er als einziger bei den Herren die Umlenkung und sicherte sich damit nach dem zweiten Platz beim ersten Sportklettercup in Dresden verdient seinen ersten Sieg bei einem Sportklettercup. Die anderen Herren hatten weit mehr Probleme mit der Dachsequenz – lediglich Thomas Tauporn erreichte die Ausstiegsquerung, verließ sich aber hier leider auf die Aluleiste der Wandplattenabdeckung als Tritt, anstatt auf Reibung zu stehen. Da die Minileiste als Tritt aber nicht allzu viel hergab, musste Thomas den Abflug antreten – trotzdem blieb am Ende für ihn noch der zweite Platz hinter Stefan. Markus Hoppe konnte ebenfalls noch über die Kugel im Dach hinausklettern, verzettelte sich aber mit einem sehr anstrengenden Schüttler an der Dachkante, so dass für ihn nach seinem Sieg in Dresden schließlich „nur“ der dritte Platz heraussprang. Auf den weiteren Rängen folgten Christian Bindhammer, Andreas Bindhammer, Benjamin Sillmann, Jan Hojer und Stefan Brugger.
Mit seinem Sieg konnte Stefan Danker endlich einmal seine Form unter Beweis stellen und hoffentlich auch für weitere Wettkämpfe national und international weiteres Selbstvertrauen tanken – beim anschließenden Interview mit dem Bayerischen Fernsehen war Stefan auf jeden Fall sichtlich relaxt…
Und als hätte er noch nicht genug geleistet, konnte Stefan am nächsten Tag bei einem Kurzbesuch in der Bärenschlucht mit Klondike Cat, die er bereits mehrfach ausgecheckt hatte, auch gleich noch seine erste 11- Route klettern – Hut ab, Stefan!
Es führt einfach kein Weg an Juliane Wurm vorbei…
Sie scheint das Abo auf den obersten Podiumsplatz bei allen Wettkämpfen, an denen sie national teilnimmt, zu haben: Nur wenn Juliane Wurm (Wuppertal) einen Fehler macht, haben ihre Konkurrentinnen derzeit eine Chance. In Forchheim kletterte sie allerdings absolut fehlerfrei und holte sich nach dem Sieg in Dresden bereits den zweiten Cupgewinn 2008. Juliane kletterte als einzige Starterin alle Routen top – sie war auch die einzige, die die spektakuläre und lange Finalroute durchsteigen konnte. Mit ihr zogen Luisa Neumärker (SBB), Natalie Sailer (Augsburg), Ines Dull (Allgäu-Kempten), die drei Frankfurterinnen Lara Scharf, Luise Raab und Irina Mittelman (Frankfurt) sowie Anna-Katharina Böhm (SBB) ins Finale der besten acht ein. Für die 60 Zug lange Route reichten kaum die 6 Minuten Routenbesichtigung, aber dafür wartete eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle Finalroute auf die Finalistinnen und die Zuschauer. Mit zwei No-Hand-Rests gespickt, die aber angesichts der mit acht Minuten knappen zur Verfügung stehenden Kletterzeit nur kurz genutzt werden konnten, war das Damenfinale des Routenbauertrios Jonas Baumann, Johannes Lau und Sascha Podeiko nach Meinung vieler Zuschauer „das schönste und spektakulärste seit langem“ Vor allem der beherzte Seit-Doppeldyno von Ines Dull mit anschließendem Mega-Pendelsturz quer durch die Halle sorgte für Stimmung und Beifallsstürme…
Hinter Juliane konnte sich Luisa Neumärker noch knapp bis unter den Top-Griff vorarbeiten, so dass sie erneut wie in Dresden Zweite wurde; auf dem dritten Platz landete Natalie Sailer, gefolgt von Ines Dull. Die quirlige Allgäuerin hätte auch noch weiter vorne landen können, entschloss sich aber angesichts eines weit entfernten Griffes vom No-Hand-Rest weg volles Risiko zu gehen und den Sprung zu wagen, den sie leider knapp verfehlte. Auf den Plätzen fünf bis acht folgten Luise Raab, die in ihrem ersten Damen-Jahr bereits ihr zweites Finale erreichen konnte, Anna-Katharina Böhm, Irina Mittelman und Lara Scharf.
Nette Anekdote am Rande: Die beiden Erstplatzierten und guten Freundinnen im „echten Leben“ Juliane und Luisa wünschten sich vor dem Finale gegenseitig mit selbstgemalten „alles Gute fürs Finale“-Tattoos auf dem Oberarm Glück – keine Spur von verbissenem Wettkampfdenken.
Das anwesende Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk konnte einen hervorragenden und spannenden Wettkampf mitverfolgen, bei dem einmal mehr die
Nähe der Zuschauer zu den Akteuren in der Forchheimer Halle für hervorragende Stimmung sorgte. Auf der Empore und der Treppe in die Halle ist man direkt dran am Geschehen im Dach und kann den Kletterern quasi den Chalkbag anreichen sowie die deutlich erröteten Köpfe im Dach sehen… Zudem hat auch die durchweg hervorragende Routenqualität in allen Runden für einen sowohl für Sportler als auch Zuschauer attraktiven Wettkampf gesorgt.
Jugendcup wieder mit über hundert Teilnehmern
Am nächsten Tag herrschte dann einiges an Gewusel im Magnesia, galt es doch die 106 Teilnehmer des DAV Jugend- und Juniorencups durch die beiden Qualifikationsrouten zu schleusen – die konstanten Teilnehmerzahlen des Jugendcups jenseits der Hundert zeugen nach wie vor von der starken Nachfrage des Nachwuchses bei den Kletterwettkämpfen – vor allem in der jüngsten Altersgruppe der 13-15-Jährigen. Und auch die Leistungen der Youngsters überzeugen: Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass auch schon im Prä-Führerschein-Alter hart geklettert wird – bestes Beispiel hierfür lieferte der Gewinner der männlichen Jugend B, Alexander Megos aus Erlangen: Der Franken-Local, der bereits beim EYS in Wuppertal mit einem sensationellen 6. Platz auf sich aufmerksam machen konnte, lieferte auch in Forchheim mit seinem Sieg eine beeindruckende Vorstellung ab empfahl sich für weitere internationale Einsätze. Aber auch die weiteren Akteure in der Jugend B wie Dominik Winkler (Zweibrücken, 2. Platz), Phillip Hans (Schwaben, 3.) lassen für die Zukunft hoffen.
Bei den B-Mädels konnte sich Ronja Kellner (Freising) nach einer längeren Verletzungspause vor Isabell Leiner (Zweibrücken) und Lili Färber (Erlangen) durchsetzen.
Nach ihrer Flugschein-Prüfung vom Vortag im Damenfinale wollte Ines Dull zumindest einen Sieg mit nach Hause nehmen – sie gewann bei der weiblichen Jugend A vor Monika Retschy (München-Oberland) und Isabell Haag (Schwaben). Bei den A-Jungs gewann ebenfalls ein alter Bekannter: Thomas Tauporn kam mit der knüppelharten Finalroute am besten zurecht, auch wenn ihm am Ende noch gut 10 Züge bis zum Top fehlten. Zweiter wurde Jan Hojer vor Robin Gray (Miesbach).
In der ältesten Altersklasse der Junioren konnte Joseph Wetzel (SBB) seinen ersten Sieg bei einem Jugendcup einfahren, knapp vor Mathias Conrad (Zweibrücken) und Alexander Hille (Schwäbisch Gmünd) Auch hier konnte niemand der Starter der vorsichtig mit „hart 8a+“ bewertete Route toppen, in der sich auch schon die A-Jungs erfolglos versucht hatten.
Bei den Juniorinnen gab es erneut einen Doppelsieg für Juliane Wurm: Nach dem Triumph bei den Damen konnte sie auch bei den Juniorinnen als einzige die Finalroute durchsteigen. Zweite wurde überraschend mit einer starken Leistung Lara Hojer (Frankfurt) knapp vor Luisa Neumärker.
Komplette Ergebnislisten vom DSC/ DJJC in Forchheim gibt es bei [ digitalRock ].
Weiter geht es im Deutschen Sportklettercup / DAV Jugend- und Juniorencup nach der Sommerpause mit dem Abschlussevent am 25./26.10 in Leipzig.
Text und Bilder: © DAV
Die Partner des Deutschen Sportklettercups:

letztes Upload: 21.07.2008

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