EM Paris: Sehr gute Ergebnisse für den DAV
Wurm & Tauporn nur knapp am Finale vorbei!
Ganz knapp war es für die beiden DAV-Starter im Lead-Wettbewerb: Sowohl Juliane Wurm (Wuppertal) als auch Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) verpassten mit den Plätzen 11 bzw. 10 knapp den Einzug ins Finale der besten 8 beim Jahreshighlight am vergangenen Wochenende in Paris-Bercy.
Lead Herren: Patxi holt den Titel; Shorty knapp am Finale vorbei
In der Qualifikation lief es für Thomas „Shorty“ Tauporn schon hervorragend – mit einem neunten Platz lag er bereits sicher in den Halbfinalrängen und sogar im Bereich des Finaleinzugs – dementsprechend selbstbewusst konnte er in die nächste Runde gehen: Im Halbfinale musste die Route dann aber getoppt werden, um sicher weiter zu kommen; nur ein Starter schaffte es schließlich ohne Topbegehung ins Finale. Shorty konnte auch hier wieder eine tolle Vorstellung abliefern und eine beachtliche Höhe erklettern – damit fehlten ihm schließlich noch dreieinhalb Züge für den Finaleinzug. So blieb für ihn in der EM-Wertung aber trotzdem noch der 10. Platz – damit erreichte er der Jugend A Vizeweltmeister nicht nur sein bestes Ergebnis bei den Herren bislang sondern er erhielt auch ein Fingerzeig, wo es in der Zukunft sportlich noch hingehen kann: Mit konstant guten Leistungen in den vergangenen Monaten arbeitet sich der Schwäbisch-Gmünder derzeit an die Finalränge der Weltcups heran – das Potential dazu hat er auf alle Fälle und es ist bei entsprechendem Trainingsfleiß nur noch eine Frage der Zeit, bis er den Sprung in ein Weltcup-Finale schaffen kann.

Im EM-Finale konnte schließlich keiner der acht Herren die Umlenkung einhängen: Den Titel holte sich in einer knappen Entscheidung der Spanier Patxi Usobiaga vor dem Tschechen Tomas Mrazek und dem jungen Franzosen Manuel Romain. Das Trio machte die Entscheidung im Bereich eines Zuges aus und konnte die Konkurrenz im Finale deutlich auf Distanz halten: Der Viertplatzierte Franzose Fabien Comina fiel bereits acht Züge zuvor. Dabei wurde spektakuläre Kletterei im großen Dach geboten – teilweise mit den Füßen zuerst stiegen die Finalisten in das Dach ein und Jakob Schubert (A; 6. Platz) fand sogar noch die Muße, im Dach das Publikum anzuheizen, bevor er die Dachsequenz hangelte – die passende Show zum Finale!

Lead Damen: Johanna Ernst dominiert wieder einmal die Konkurrenz
– Juliane Wurm mit einem hervorragenden 11. Platz
Ähnlich gut wie für Thomas Tauporn lief es auch für seine Teamkollegin Juliane Wurm: Die Vize-Junioren-Weltmeisterin konnte mit einer soliden Vorstellung nach Plan und einem 17 Platz nach der Qualifikation ebenfalls sicher ins Halbfinale einziehen – dabei kam ihr sicherlich zugute, dass sie die Wettkampfwand bereits vom Weltcup in Chamonix kannte und ihr der Charakter der Route entgegen kam. In der Runde der besten 26 konnte Juliane dann noch einmal mächtig zulegen: In der Halbfinalroute, die ohne große Rastpunkte zügiges Klettern erforderte, schraubte sie sich bis zur Wertung 32- hinauf – am Ende brachte ihr diese Leistung den hervorragenden 11. Platz. Vom Finale trennten sie schließlich zwar noch acht Züge, aber auch für Juliane bedeutete diese Platzierung das beste Ergebnis bei den Damen bislang. Mit dieser Platzierung hat Juliane erstmals Anschluss an die Weltspitze gefunden und sie kann in Zukunft wohl ihre Ambitionen auf den Finaleinzug bei den Weltcups ausrichten. Es bleibt ihr zu wünschen, dass sie ihr EM-Ergebnis nun als weitere Motivation nutzen kann, den Winter zur konsequenten Vorbereitung für die nächste Weltcup-Saison nutzt und im nächsten Jahr bei den großen Events ein Wörtchen mitreden kann.
Im Finale gab es dann ein in dieser Saison schon oft gesehenes Szenario: Nur eine Kletterin schaffte das Top und kam damit sturzfrei durch alle Runden: Die Österreicherin Johanna Ernst sicherte sich mit dieser fehlerfreien Vorstellung einen weiteren großen Titel in ihrer jungen Karriere. Sie dominiert in ihrem ersten Jahr bei den Damen das Wettkampfgeschehen quasi nach Belieben – nur ein einziges Mal stand sie in diesem Jahr nicht ganz oben auf dem Treppchen. Mittlerweile hat sie nach mehrfachen Weltcupsiegen, dem Weltcup-Gesamtgewinn, dem Rockmastertitel, dem Jugendweltmeistertitel und dem EM-Gewinn fast alle großen Titel in nur einer Saison abgeräumt. Wer kann dieses Mädel noch stoppen??
Zweite wurde die nach einer Verletzungspause nun wieder zu alter Stärke zurückgehrte Slowenin Maja Vidmar vor Mina Markovic (ebenfalls SLO).
Bouldern: DAV-Starter leider chancenlos; Natalja Gros und Jerome Meyer holen die Titel
Zum Auftakt der EM hatte es bereits gleich einen Dämpfer für die beiden DAV-Boulderer gegeben: Sowohl Natalie Sailer (Augsburg) als auch Jonas Baumann (Wuppertal) schieden bereits in der Qualifikation aus. Die deutsche Bouldermeisterin Sailer musste mit Handgelenksproblemen in der ersten Runde antreten; trotz dieses Handicaps gelangen ihr immerhin noch drei der fünf Qualiboulder im Flash - trotzdem reichte es ihr nur für den 37. Platz. Um eine Runde weiter zu kommen, hätte sie zumindest vier der fünf Qualiboulder im ersten Versuch klettern müssen. Auch Jonas Baumann konnte mit seiner Leistung nicht zufrieden sein: Nur 2 geflashte Boulder reichten nicht für das Halbfinale der besten 20 – er hatte sich gleich beim zweiten Boulder mit zu vielen Versuchen aufgerieben, da er den Topgriff einfach nicht mit zwei Händen zu fassen bekam und den Boulder schließlich ungeklettert verlassen musste. So mussten die beiden DAV-Starter die weiteren Runden als Zuschauer verfolgen und konnten hier den Sieg des Franzosen Jerome Meyer vor dem österreichischen Topfavoriten Kilian Fischhuber verfolgen. Meyer knackte als einziger der Finalisten alle vier Boulder; Dritter wurde der Schweizer Cedric Lachat.
Auch bei den Damen gab es diesmal keinen österreichischen Sieg: Die Weltcup-Gesamtsiegerin Anna Stöhr musste sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben; den Meistertitel räumte die Slowenin Natalja Gros ab. Gros war nach einer starken Saison 2007 in diesem Jahr noch nicht ganz an ihre Leistung vom Vorjahr herangekommen, meldet sich mit dem EM-Titel nun aber wieder in alter Stärke zurück. Dritte wurde überraschend die junge Norwegerin Hannah Midtboe, die nicht nur ihren ersten Podiumsplatz bei den Damen erkletterte, sondern überhaupt das erste Mal bei einem großen internationalen Boulderwettkampf antrat. Und dann gleich Dritte bei der EM – Hut ab!
Speed: Nur Baumann als DAV-Vertreter am Start
Gegen die übermächtigen Osteuropäer ist es erwartungsgemäß schwer, im Speed einen Blumentopf zu gewinnen – das musste auch Jonas Baumann feststellen, der in der Speedquali als einziger Deutscher antrat. Platz 27 blieb am Ende für ihn, während die schnellen Jungs aus dem Osten mit den so schwer zu buchstabierenden Namen den Titel unter sich ausmachten. Neuer Europameister wurde der Russe Evgeny Vaytshekhovsky vor den beiden Ukrainern Maksym Osipov und Maksym Styenkovyy. Bei den Damen konnte die im Speedweltcup führende Polin Edyta Ropek den Titel erklettern, Zweite wurde die Russin Olga Morozkina vor ihrer Landsfrau Anna Saulevich.
Die neuen Kontinentalmeister im Lead und Speed werden nun auch im kommenden Jahr bei den Worldgames in Taiwan antreten dürfen, bei denen Klettern wie 2005 in Duisburg zu den beliebtesten Sportarten zählt.
Zwei große Events stehen nun noch auf dem Terminkalender im Wettkampfzirkus 2008: Der Boulder-Weltcup Ende Oktober in Moskau und das traditionelle Finale des Lead-Weltcups Mitte November in Kranj (SLO). Zu beiden Wettkämpfen wird der DAV auch wieder mit einer Gesandschaft antreten: In Moskau können die Boulderer ein letztes Mal in diesem Jahr noch die bisher eher durchwachsene Wettkampfbilanz aufbessern und für den Lead-Weltcup in Kranj wird es spannend werden, ob Tauporn und Wurm noch einmal in den Bereich ihrer EM-Platzierungen klettern können, oder ob sie sich sogar noch einmal steigern werden können. Zeit zu Trainieren ist ja noch ein wenig bis zum Saisonfinale…
Matthias Keller

letztes Upload: 21.10.2008

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