Bouldercupfinale am Bodensee:
Danker und Wurm holen die Titel

Die Meister des Mattenkletterns 2009 stehen fest: Nach München, Kitzbühel und Pforzheim fand am vergangenen Wochenende in Überlingen die letzte Station des DAV Bouldercups und damit das Finale der Deutschen Bouldermeisterschaft statt.
Nach anfänglicher heikler Wetterlage hatte Petrus doch ein Einsehen und schenkte Teilnehmern wie auch Zuschauern perfekte Bedingungen mit Sonnenschein und nicht zu heißen Temperaturen. Dazu präsentierte die Stadt Überlingen wieder einmal eine Top Location auf dem Anlegeplatz direkt am Ufer des Bodensees. Somit waren alle Voraussetzungen für ein spannendes Saisonfinale erfüllt, was sich vor allem bei den Herren auch als solches präsentierte. Mit den weiteren Kletter-Veranstaltungen „AOK BaWü TeamCup“ am Freitag und der „Offenen Stadtmeisterschaft um den Volksbank-Cup“ am Sonntag stand die Stadt Überlingen an diesem Wochenende ganz im Zeichen des seilfreien Klettersports. Auch die Zuschauer würdigten in rekordverdächtiger Zahl die Akteure an den Wänden - so war der Bereich zwischen den Boulderwänden und der Speedkletterwand schon am frühen Morgen zum Beginn der Herrenqualifikation voll und die Stimmung entsprechend heiß. Zusätzlich sorgte das Organisationsteam vor Ort unter der Gesamtleitung von Markus Dufner noch für ein stimmiges Rahmenprogramm mit Mountainbike-Trial und Slackline Vorführungen, sowie Live-Musik und „Jedermann-Klettern“ an der Speedwand. Traditionell als „Dreiländer-Veranstaltung“ ausgeschrieben, fanden sich dieses Jahr aus unerfindlichen Gründen nur sehr wenige Starter aus den Nachbarländern ein – mit Kilian Fischhuber und zwei Schweizern trauten sich gerade einmal drei Alpenländler auf deutschen Boden - dafür mit Kilian aber zumindest ein ganz großer Name der Kletterwelt.
Neue Siegerinnen bei den Damen!
Trotz dieser hervorragenden Bedingungen war das Starterfeld sehr überschaubar - vor allem bei den Damen mit nur 13 Starterinnen. Dazu kam, dass die Favoritin Juliane Wurm, die die Gesamtwertung zu diesem Zeitpunkt bereits uneinholbar anführte, aufgrund ihres Starts beim Lead Weltcup in Chamonix am selben Wochenende entschuldigt war. So konnten sich endlich einmal andere Gesichter auf das Damenpodest freuen, zumal auch mit Luisa Neumärker (SBB) eine weitere Favoritin in Chamonix am Start war. Wegen der geringen Starterzahl fiel die Qualifikation bei den Damen kurzerhand aus und es wurde erst mittags direkt mit dem Halbfinale begonnen. Schon hier setzte sich Monika Retschy (München-Oberland) vor Isabell Haag (Schwaben) und Anna Katharina Böhm (Sächsischer Bergsteigerbund) deutlich an die Spitze indem sie als einzige alle Boulder toppte. Neben den drei Damen zogen auch noch Birte Loichen (Koblenz), Petra Klinger (Schweiz) und Katrin Lehmann (Schorndorf) in die Runde der letzten sechs ein. Auch im Finale konnte schließlich niemand Monika Retschy das Wasser reichen: Wieder war sie es, die als einzige drei der vier Finalboulder knacken konnte - damit holte sie sich ihren ersten Sieg bei den Damen und sicherte sich gleichzeitig auch den dritten Platz in der Meisterschafts-Gesamtwertung. Die Konkurrenz aus der Schweiz trumpfte im Finale dann ordentlich auf: Petra Klingler setzte sich knapp vor Anna-Katharina Böhm und Kathrin Lehmann und holte sich den Preisgeldscheck für den zweiten Platz. Leider ohne Top mussten Birte Loichen auf Rang 5 und Isabell Haag auf dem sechsten Platz das Finale beenden.
Katrin Lau (Frankenthal), die vor dem Wettkampf als Mitfavoritin um die Tageswertung galt, hatte leider Pech und verletzte sich schon im Halbfinale am Arm. Sie wurde mit Verdacht auf Ellenbogenluxation ins Krankenhaus gebracht, konnte sich aber abends noch ihren Pokal für den deutschen Vizemeistertitel im Bouldern abholen. Für die Frankenthalerin, die nach einem längeren Auslandsaufenthalt erst in dieser Saison wieder ins Wettkampfklettern eingestiegen war sicherlich ein schöner Erfolg, auch wenn sie an diesem Tag sicherlich lieber mit starker sportlicher Leistung geglänzt hätte – sie befindet sich aber bereits auf dem Weg der Besserung. So gab es dann zu später Stunde zur Siegerehrung mit Juliane Wurm eine nicht anwesende Meisterin, eine verletzte Vizemeisterin und eine strahlende Tagessiegerin als Drittplatzierte der Deutschen Bouldermeisterschaft 2009 zu ehren – Juliane Wurm sammelt derzeit alle Titel, die es national zu sammeln gibt.
Bei den Herren noch alles offen im Kampf um die Meisterschaft
Bei den Herren war der Kampf um die Meisterschaft noch heiß und wurde zwischen dem knapp führenden Stefan Danker (Landshut) und Jonas Baumann (Wuppertal) ausgetragen. Bereits die Qualifikationsrunde mit knüppelharten Bouldern des Routenbauerteams Manuel Brunn, Maxi Klaus und Fabian Ludwig trennte die Spreu vom Weizen und so konnten von 39 Startern nur 13 überhaupt einen oder mehr Boulder toppen – alle anderen Starter gingen leer aus! Die spektakuläre Flugeinlage an Boulder zwei stellte sich dabei als unlösbares Problem heraus: Während einige wenige den Sprung noch ernsthaft versuchten, sprangen die meisten Starter nur auf die Matte um Verletzungen zu vermeiden. Am überzeugendsten dabei war Stargast und Weltcup-Gesamtsieger Kilian Fischhuber (A). Fischhuber gab in der Qualifikation eine Demonstration seines Könnens indem er bis auf den besagten Flugboulder alle weiteren im ersten Versuch kletterte als wären diese nur zum Aufwärmen. Am ehesten konnte da noch Jonas Baumann bei diesem extrem hohen Niveau mithalten, der jedoch für seine Qualifikation doppelt so viele mehr Versuche benötigte.
Im Halbfinale sah es ganz ähnlich aus: während Fischhuber als einziger scheinbar mühelos alle Boulder im ersten Versuch toppte, mussten sich die deutschen Starter mit maximal drei Durchstiegen zufrieden geben. Am Ende schafften es mit Fischhuber, Baumann und Danker auch die erwarteten drei ins Finale – komplettiert wurde die Runde der letzten Sechs schließlich noch von Markus Hoppe (Sächsischer Bergsteigerbund), Mathias Conrad (Zweibrücken) und ispo-Gewinner Bruno Vacka (Rosenheim).
Im Finale kam es dann zum Showdown zwischen Kilian Fischhuber und Jonas Baumann: Nachdem Jonas die ersten drei der vier Finalboulder wie Kilian im ersten Versuch toppen konnte, legte er beim Boulder Nr. 4 mit zwei Versuchen die Messlatte weit nach oben. Zu weit auch für Kilian, der gerade bei diesem Boulder einen Aussetzer hatte und das erste Mal in diesem Wettkampf Schwäche zeigte. So konnte Baumann nach Kitzbühel Kilian Fischhuber erneut in Schach halten – trotzdem wurde durch die Leichtigkeit, mit der der österreichische Weltcupstar seine Boulder kletterte, klar, dass er in einer eigenen Liga klettert – nicht umsonst holt sich Fischhuber die Weltcupsiege in Serie. Baumann freute sich damit nach Kitzbühel über seinen zweiten Sieg beim Bouldercup 2009 – nun musste nur noch ausgerechnet werden, ob er oder Danker das Rennen um die Deutsche Meisterschaft gemacht hatten. Der gewohnt solide aufkletternde Stefan Danker hatte sich hinter Baumann und Fischhuber auf Rang drei platzieren können. Hinter Danker knapp Vierter wurde Markus Hoppe vor Mathias Conrad und Bruno Vacka.
Danker nun auch Bouldermeister
Nachdem die Taschenrechner heiß gelaufen waren und der direkte Vergleich der beiden Konkurrenten herhalten musste, war klar, dass Stefan Danker knapp das Rennen um die Meisterschaft gemacht hatte. Damit bewies der sympathische Nandlstädter, dass er sowohl mit als auch ohne Seil zu den besten im Lande gehört – er führt nach seinem Gesamtsieg im Vorjahr aktuell auch wieder die Rangliste zum deutschen Sportklettercup an. Den dritten Platz in der Meisterschaftswertung sicherte sich Markus Hoppe.
Nightsession Speed: Die Rekorde purzeln!
Zu später Stunde fand dann noch mit dem ersten DAV Speedcup der Auftakt zur Deutschen Meisterschaft im Speed statt. Dies artete schnell zur Jagd um die nationalen Rekorde aus, denn erstmals wurde ein Preisgeld für die Einstellung oder Verbesserung des nationalen Rekordes an der 10m-Wand ausgelobt. Aufgrund der von den Startern gebotenen Action und dem Kampf um Rekorde wurde aus dem Speedcup schnell der Zuschauermagnet des Tages. In der Abenddämmerung vor dem Bodensee als Hintergrundkulisse „rannten“ die Athleten im Scheinwerferspot förmlich die Wand hoch und pulverisierten die deutschen Speedrekorde sowohl bei den Damen als auch bei den Herren mehrfach und sorgten so für Raunen unter den zahlreichen Zuschauern.
Am Ende konnte sich schließlich Isabell Haag im sehr kleinen Starterfeld der Damen mit 8,86 Sekunden den neuen deutschen Rekord und damit auch den Tagessieg holen. Andrea Fichtner sicherte sich vor Vera Warmbrunn (beide Stuttgart) den zweiten Platz.
Bei den Herren war bei einem Teilnehmerfeld von 18 Mann die Leistungsdichte so groß, dass der bis dahin bestehende Rekord gleich von mehreren Kletterern geknackt wurde und sogar exakt gleiche Zeiten im direkten Vergleich erzielt wurden. Spannung war also geboten -so war für eine Finalqualifikation eine Zeit deutlich unter 7 Sekunden erforderlich- also im Bereich des alten deutschen Rekords (aufgestellt von Mathias Conrad 2008 an gleicher Stelle). Schlussendlich entschied Maximilian Porscha (Schwaben) den Wettkampf mit der neuen Rekordzeit von 6,32 Sekunden mit einem Wimpernschlag Vorsprung für sich. Fabian Bosler (ebenfalls Schwaben) belegte vor Mathias Conrad Platz zwei. Jonas Baumann, der schon beim Bouldercup abgeräumt hatte, erreichte immerhin noch Rang vier. Als Fazit bleibt: Die Schwaben, die an der Norm-Speedwand in Stuttgart trainieren können, dominieren das Geschehen und von ihnen wird in dieser Saison wohl noch das eine oder andere zu hören sein!
Weiter geht es im Speedcup bereits am kommenden Wochenende mit der Veranstaltung auf der Friedrichshafener Messe OutDoor.
Die vollständigen Ergebnisse gibt es www.digitalrock.de
>>> Bildergalerie <<<

Text: DAV / Micahel Holly
Bilder: © XnX/ Bergleben.de
letztes Upload: 17.07.2009


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