Cupfinale in Leipzig:
Tauporn und Wurm holen die Tagessiege
Danker und Wurm gewinnen die Gesamtwertung

Mit nur zwei Wettkämpfen musste der Deutsche Sportklettercup in diesem Jahr auskommen und so stand auch schon mit dem letzten Wettkampf am vergangenen Wochenende in Leipzig die Entscheidung über den Gesamtsieg und die Startplätze für die DM an. Wie schon im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung in der Leipziger Kletterhalle No Limit – mit entsprechender Kletter- und Zuschauerfläche ausgestattet eine der besten Wettkampf-Locations der Republik. Während in der Leipziger Innenstadt Hunderttausende die friedliche Revolution von vor 20 Jahren feierten, waren die Zuschauer im No Limit gespannt, ob wieder die üblichen Verdächtigen das Rennen machen würden oder ob es in Leipzig auch zu einer sportlichen Revolution kommen würde.
Bei den Herren gab es gleich in der ersten Qualiroute einige Überraschungen: Sowohl die Favoriten Stefan Danker (Landshut) als auch Jan Hojer (Frankfurt) scheiterten knapp vor dem Top – ebenso wie der Zweitplatzierte vom ersten Cup in Kempten, Markus Jung (Siegerland). Umso stärker dagegen der Deutsche Vizemeister Felix Neumärker (SBB): Nach einer längeren Wettkampfpause kletterte er souverän top – eine Leistung, die außer ihm nur noch Christian Bindhammer (Allgäu-Kempten), Markus Hoppe (SBB) und Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) gelang. Die zweite Quali der Herren hatte es dann in sich: Vom Routenbauerteam Robert Heinrich, Christian Benk und Tom Brenzinger mit einem Mittelteil gewürzt, den man entweder links herum direkt oder rechts über einen wackligen No-Hand-Rest mit anschließendem Sprung klettern konnte, fielen die meisten Favoriten an einem Zug in einen Untergriff vor der finalen Ausstiegssequenz. Der einzige, dem dies alles keine Probleme zu bereiten schien, war Stefan Danker – er sicherte sich die einzige Topbegehung der zweiten Qualiroute. Zwar ohne Topbegehung, aber mit nur zwei Zügen weniger als Danker konnte erneut Felix Neumärker auftrumpfen: Zusammen mit seinem Top aus der ersten Qualifikation setzte er sich an die Spitze des Feldes nach der Qualifikation – er zeigte damit ein starkes Comeback nach längerer Abstinenz vom Wettkampfgeschehen und meldete seinen Anspruch an, beim Heimspiel im Sachsenländle ein Wörtchen mitreden zu wollen. Hinter Neumärker und Danker konnten sich noch Markus Hoppe, Thomas Tauporn, Jan Hojer, Christian Bindhammer, Johannes Lau (Frankenthal) und Mathias Conrad (Zweibrücken) für das Finale qualifizieren.
Hier sollte dann das ominöse Auge die Entscheidung bringen: An einem großen Volumen mit einem brettharten Zug scheiterten nahezu alle Finalisten: Nur Mathias Conrad hatte bereits im unteren Teil der Route den Abflug antreten müssen; für die anderen Acht war am Auge im Bereich von anderthalb Zügen Schluss. Noch die deutlichste Wertung hatte Thomas Tauporn, dem es als einzigem gelang, einen Griff noch zu doppeln. Damit holte sich Tauporn zwar knapp aber hochverdient seinen ersten großen Sieg - er hatte trotz kontinuierlicher nationaler und internationaler Top-Resultate lange auf seinen obersten Treppchenplatz warten müssen. Die Wertungen der restlichen Finalisten bereiteten den Schiedsrichtern dann einiges an Kopfschmerzen, galt es doch sieben Starter auf zwei Varianten auseinanderzuhalten. Am Ende hatte Markus Hoppe aufgrund des besseren Qualiergebnisses die Nase knapp vorne vor Johannes Lau. Dahinter folgten Jan Hojer, Stefan Danker, Felix Neumärker, Christian Bindhammer und Markus Jung auf den weiteren Plätzen. Nun hieß es rechnen, denn es deutete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Danker und Tauporn um die Gesamtwertung an. Nachdem die Rechenschieber heiß gelaufen waren, stand Stefan Danker mit knappen vier Punkten Vorsprung als Cupssieger fest – damit wiederholte er seinen Coup vom Vorjahr und fährt nach dem Gewinn der Bouldermeisterschaft bereits seinen zweiten nationalen Titel in diesem Jahr ein. Dritter der Gesamtwertung hinter Tauporn wurde Markus Hoppe. Dieses Trio wird auch zur DM Ende November als Favoriten ins Rennen gehen – wenn aus den Reihen der weiteren neun qualifizierten Kandidaten niemand etwas dagegen haben wird.
Und täglich grüßt das Murmeltier: Juliane Wurm holt erneut den Doppelsieg
Bei den Damen überzeugten in der Qualifikation erwartungsgemäß die drei Favoritinnen: Juliane Wurm (Wuppertal) kletterte scheinbar mühelos in beiden Qualirouten top – und das, obwohl sie quasi direkt von der Klassenfahrt am kroatischen Meer nach Leipzig in die Kletterhalle gefahren war. Ebenfalls stark mit zwei Topbegehungen präsentierte sich Ines Dull (Allgäu-Kempten). Lediglich Luisa Neumärker (SBB) leistete sich nach dem Top in der ersten Quali in der zweiten einen kleinen Patzer – trotzdem sicherte sie sich als Dritte problemlos den Einzug ins Finale. Hinter dem Trio konnten noch die in diesem Jahr stark kletternde Lisa Weisensee (Frankfurt), Isabell Leiner (Zweibrücken), Anna-Katharina Böhm (SBB) sowie die beiden Frankfurterinnen Luise Raab und Irina Mittelman in die Runde der letzten Acht einziehen. Bereits die zweite Starterin im Finale, Lisa Weisensee, konnte eine ordentliche Höhe vorlegen, die von ihren Konkurrentinnen erst einmal nicht überboten werden konnte. Sie setzte sich damit vor Isabell Leiner, Anna-Katharina-Böhm, Lusie Raab und Irina Mittelman und durfte es sich eine ganze Weile auf der Bank der aktuell Führenden bequem machen, bis die drei letzten Starterinnen an die Reihe kamen. Dann hieß es allerdings für Weißensee wieder den Platz räumen, denn zuerst übertraf Luisa Neumärker ihre Höhe, die aber dann ihrerseits wieder von Ines Dull übertrumpft wurde, die noch einmal vier Züge weiter kletterte. Aber es kam ja noch die seit zwei Jahren national so übermächtige Juliane Wurm, die auch dieses Mal mit ihren Konkurrentinnen kurzen Prozess machte und als einzige die Finalroute top kletterte. Damit sicherte sie sich nicht nur vor Dull und Neumärker den Tagessieg sondern holte sich auch erneut die Gesamtwertung im Deutschen Sportklettercup. Der DAV sollte der Einfachheit halber einmal über einen Preisgeld-Dauerauftrag auf Wurms Konto nachdenken… Da Ines Dull beim Heimspiel in Kempten mit dem vierten Platz gepatzt hatte, musste sie den zweiten Platz in der Cup-Gesamtwertung noch an Luisa Neumärker abtreten – aber auch die Damen haben zur DM noch die Gelegenheit, sich zu revanchieren und vielleicht doch einmal Juliane Wurm das Sieg-Abonnement zu kündigen.
Jugendcup: Die Jüngsten zeigen, wo`s lang geht!
Am Sonntag beim Finale des Jugend- und Juniorencups wurde wieder einmal eindrucksvoll demonstriert, dass die derzeit stärksten Jugendkletterer gleichzeitig auch die jüngsten sind: In der Jugend B gab es nicht nur in den Qualirouten unerwartet viele Topbegehungen, sondern auch im Finale bei den Jungs und Mädels gleich mehrere Kandidaten, die die Routen locker durchsteigen konnten. Dies bedeutete in beiden Klassen Superfinale, das auf der bereits gekletterten Finalroute auf Zeit ausgetragen wurde. Bei den B-Mädels hatten sich die starke Rosenheimerin Hannah Baer und Luisa Deubzer (München-Oberland) für den zusätzlichen Speed-Durchgang qualifiziert. Hier nahm dann Baehr Luisa Deubzer die entscheidenden Sekunden ab und gewann damit nach Kempten den zweiten Jugendcup in Folge. Dritte hinter Deubzer wurde Lilli Färber (Erlangen). Bei den B-Jungs waren es gar vier Aspiranten, die noch einmal mit der Stoppuhr im Nacken in die Finalroute einsteigen durften. Kein Problem für Jugendweltmeister Sebastian Halenke (Schwäb-Gmünd), der den stark aufkletternden Christoph Hanke (München-Oberland) mit knappen 8 Sekunden auf Distanz halten konnte. David Firnenburg (Hannover) landete auf dem dritten Platz, der starke, aber eher als bedächtiger Kletterer bekannte Sammy Adolph (München-Oberland) wurde Vierter.
Beachtlich sowohl bei Jungs als auch Mädels: Alle Superfinalisten schafften es auch unter Zeitdruck problemlos, das Finale (Mädels: 9+, Jungs: 10-)ein zweites Mal zu toppen – hier wird in den nächsten Jahren wohl einiges auf die etablierten Damen und Herren zukommen! Da die Finals der Jugendklassen jeweils nur auf einer Route für Jungs und Mädels ausgetragen wurden, sah man auch im direkten Vergleich, wie viel stärker die Jüngsten derzeit sind. Früher mussten die Routenbauer für die B-Jugend extra leichtere Routen schrauben – heute müssen sie beinahe schon mit Damen/ Herren-Niveau aufwarten, um die Youngsters zu separieren…
In der A-Jugend zeigte vor allem einer, dass er derzeit nicht zu schlagen ist: Nach seinen drei Siegen in Folge bei den europäischen Jugendcups holte sich Alexander Megos (Erlangen) auch in Leipzig mit der einzigen Topbegehung den Titel. Hinter ihm auf dem zweiten Platz landete Max Herrmann (SBB) vor Philipp Hans (Schwaben). Bei den A-Mädels sah man eine nach ihrer Fingerverletzung vom Jahresbeginn wieder voll einsatzfähige Isabell Leiner (Zweibrücken) einen souveränen Sieg erklettern. Leiner hatte ja bereits am Vortag mit dem fünften Platz bei den Damen geglänzt. Das Podium der A-Jugend komplettierten Chiara Maria Clostermann (Ringsee) auf dem zweiten und Isabell Haag (Schwaben) auf dem dritten Platz.

Auch bei den Juniorinnen gab es nur eine einzige Topbegehung der Finalroute – und die erwartungsgemäß von Juliane Wurm. Luisa Neumärker kletterte zwar ebenfalls locker bis in die Ausstiegsplatte, verzettelte sich aber wie die meisten ihrer Kolleginnen an einem Wechsler und wurde aufgrund des besseren Vorrundenergebnisses Zweite. In Abwesenheit der weiteren Favoritin Ines Dull (Allgäu-Kempten) belegten Lara Hojer (Frankfurt) und Monika Retschy (München-Oberland) zusammen den dritten Platz. Bei den männlichen Junioren führte kein Weg vorbei an Marcel Dippon (oberer Neckar), der nach einem längeren Formtief nun ebenfalls wieder zu alter Stärke gefunden hat. Er verwies Martin Tekles (Rosenheim) und Fabian Bosler (Schwaben) auf die Plätze zwei und drei.

So standen auch bei den Youngsters am Ende des Tages die Cup-Gesamtsieger und die jeweils 8 qualifizierten Starter für die DM Ende November fest. Den Gesamtsieg im Jugend- und Juniorencup nach den Wettkämpfen in Bochum, Kempten und Leipzig holten sich Hannah Baehr und Sebastian Halenke (Jugend B), Isabell Leiner und Felix Leuoth (Alpinclub Hannover; Jugend A) sowie Ines Dull und Martin Tekles (Junioren). Für sie und die weiteren sieben Qualifizierten pro Altersklasse gilt es am letzten Novemberwochenende in Darmstadt noch einmal topfit zu sein, wenn es um die Meisterehren geht.

Einen großen Anteil an einer rundum gelungenen Veranstaltung hatte wieder einmal das perfekt eingespielte Helfer- und Orgateam der Kletterhalle No Limit um Rene Grabis und Steffen Heimann: Sowohl Athleten, Offizielle als auch Zuschauer bekamen einen würdigen Rahmen für das Cupfinale präsentiert und man spürte jederzeit das Engagement der Herren Heimann und Grabis (im Übrigen bekannt aus Funk, Film und Fernsehen als der Wetten Dass –Wettkönig von 2008 mit der Speed-Fassadenkletter-Wette!) in Sachen Wettkampfklettern.
DM Darmstadt: Meisterehren und Speedcup zum Saisonabschluss
Die besten Vertikalathleten des Landes dürfen noch ein letztes Mal in diesem Jahr antreten: Am 28./29. November steigt in Darmstadt mit der Deutschen Meisterschaft das nationale Wettkampfhighlight 2009. Das neue DAV Kletterzentrum mit seiner imposanten Wettkampfwand wird dann den idealen Rahmen für spannende Titelkämpfe bieten – außerdem werden in Darmstadt auch noch die Deutschen Speedmeister beim finalen Speedcup ermittelt.
Komplette Ergebnisse Kempten unter digitalrock.de
Der Deutsche Sportklettercup/ DAV Jugend- und Juniorencup wird unterstützt von Vaude/edelrid sowie von den Medienpartnern bergleben, klettern und climbing.de.
Text: Matthias Keller / DAV
Bilder: © Matthias Keller, Henning Holzapfel und Jorgos Megos

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