EYS München – ein Kletterfest
mit über 250 Startern aus 21 Nationen in Thalkirchen!

Der DAV holt zwei Mal Gold und drei weitere Podiumsplätze
Dichtes Gedränge ist man gewohnt in der DAV-Kletteranlage Thalkirchen, aber am vergangenen Wochenende ließen es die mehr als 250 Starter aus 21 Nationen inklusive Anhang doch eng werden in den Gängen und an den Wänden der Anlage. Dazu kamen noch die kletterbegeisterten Münchner, die gespannt darauf waren, wie sich die zahlreich angetretenen Sektionskollegen schlagen würden. Mit dem zweiten Wettkampf zur European Youth Series (EYS) 2009 richtete der DAV in Kooperation mit dem Trägerverein des Kletterzentrums und der Sektion Oberland nun schon zum dritten Mal in Folge einen europäischen Jugendwettbewerb aus – nach der Premiere 2008 auch in München wieder in den beiden Disziplinen Lead & Speed.

Für den DAV gingen beim EYS nicht nur die üblichen Verdächtigen aus den Reihen des Jugendkaders an den Start, sondern wie bei Jugend-Wettkämpfen im eigenen Lande gewohnt auch noch etliche Gaststarter, die sich über die nationale Jugendcup-Rangliste für den EYS-Start qualifiziert hatten. So stellte der DAV mit 35 Kletterern die größte Mannschaft und Jugendtrainer Gunter Gäbel hatte im Vorfeld insgeheim mit 10 Lead-Finalisten aus den Reihen der DAV-Kletterer geliebäugelt – nach den hervorragenden Ergebnissen beim ersten EYS in Imst und der Jugend-WM ein durchaus realistischer Wunsch.

Am Freitagnachmittag stand bereits die Speed-Qualifikation auf dem Programm und es wurde schnell deutlich, dass die deutschen Starter auch hier gute Chancen haben, bis in die Finalrunden vorzustoßen. Vor allem die schnellen Schwaben, die sich in der letzten Zeit zunehmend auf das Speedklettern konzentriert haben, konnten locker mit den schnellen Osteuropäern mithalten: Fabian Bosler, Maxi „Porsche“ Porscha, seine Schwester Sofia, Isabell Haag und Lucas Günther schafften es in ihren Altersklassen problemlos, sich für die Finalrunden am Sonntag zu qualifizieren.
Langer Tag: Speedquali am Samstag
Aber zuvor stand erst noch der lange Lead-Qualifikations-Samstag auf dem Programm: Die mittlerweile schon EYS- erfahrene Routenbauercrew bestehend aus Christian und Andras Bindhammer, Jonas Baumann und Johannes Lau hatte sowohl innen an den langen Dachstreifen als auch an der Außenwand einige – wie sich herausstellen sollte – sehr harte Nüsse kreiert. Vor allem die Struktur- und Insert-Route, die aus der Ferne völlig grifflos aussah, ließ einige Teilnehmer verzweifeln und forderte von den restlichen präzise Beinarbeit und ordentlich Fingerkraft – so konnten am Ende auch nur eine Hand voll Kletterer aus zwei Altersklassen diese Route durchsteigen. Das dickste Brett war aber die lange Dachroute für die männliche Jugend A und die Junioren: Allen Teilnehmern zog es spätestens in der Ausstiegswand nach dem Dach den Stecker – so blieb der Topgriff in dieser Route unberührt.
Aus deutscher Sicht verlief der Qualifikationstag hervorragend: Bei der weiblichen Jugend B konnten sowohl Local Luisa Deubzer (München-Oberland) als Siebte und Lilli Färber (Erlangen) als Vierte ins Finale einziehen. Sarah Schützenberger (München-Oberland) schrammte als „Gaststarterin“ mit dem 12. Platz knapp am Finale der besten 10 vorbei – eine starke Leistung der Lokalmatadorin! Nur eine unglückliche erste Qualifikation verhinderte ihren Finaleinzug. Deutlicher das Ergebnis dann aber bei den restlichen Jugend B-Starterinnen: Ronja Kellner (Freising) landete auf dem 19. Platz, Lina Himpel (Frankfurt) wurde 22., Afra Hönig (Landshut) 31.
Die B-Jungs ließen es ordentlich krachen: Gleich vier Deutsche kletterten unter die besten zehn: Erwartungsgemäß natürlich die beiden Medaillengewinner der Jugend-WM Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) und Local Sammy Adolph (München-Oberland, Bild links), außerdem noch David Firnenburg (Alpinclub Hannover) und sensationell auch Florian Wientjes (München-Oberland, Bild rechts), der es damit als einziger Nicht-Kader-Starter ins Finale schaffte. Beinahe hätte dies auch noch sein Sektionskollege Christoph Hanke geschafft, der allerdings in der ersten Qualifikation unerwartet früh abrutschte und am Ende trotz eines siebten Platzes in der zweiten Quali nur auf Rang 16. landete. Für Jonas Winter (Barmen) sprang der 30. Platz heraus.
In der weiblichen A-Jugend schaffte es leider keine der deutschen Starterinnen ins Finale: Isabell Leiner (Zweibrücken) war mit dem 21. Platz noch beste DAV-Starterin, gefolgt von Chiara Maria Klostermann (Ringsee, 23.), Katharina von Chamier (Münster, 27.), Isabell Haag (Schwaben, 28.) und Maja Julie Zajonc (Alpinclub Hannover, 32.). Umso besser waren die A-Jungs unterwegs: Jan Hojer (Frankfurt) war der einzige A-Jugendliche, der die schwere Insert- und Struktur-Qualifikation top klettern konnte und auch in der langen ersten Quali kam er mit am Weitesten. So zog er nach seinem unglücklichen Abschneiden beim EYS in Imst und bei der Jugend-WM endlich einmal wieder in ein internationales Finale ein – und dies als Zweiter nach der Qualifikation. Nur noch Hojers Teamkollege Alexander Megos (Erlangen, Bild rechts) war nach der Qualifikation besser und setzte sich an die Spitze der Qualifikationswertung. Dritter DAV-Mann im Bunde fürs Finale war schließlich Robin Gray (Bad Tölz), der nach seinem Halbfinal-Ausscheiden bei der Jugend-WM nun endlich wieder zu alter Form auflaufen konnte. Mit deutlichem Abstand hinter den Finalrängen folgten die weiteren deutschen A-Jungs: Felix Leuoth (Alpinclub Hannover, 25.), Domink Winkler (Zweibrücken, 28.) und Maximilian Porscha (Schwaben, 30.).
Nach der kurzfristigen verletzungsbedingten Absage von Juliane Wurm (Wuppertal) ruhten alle deutschen Hoffnungen bei den Juniorinnen auf Ines Dull (Allgäu-Kempten) und Luisa Neumärker (SBB). Während sich Ines Dull mit einer starken Leistung als Zweite hinter der Favoritin Charlotte Durif (F), die als einzige Juniorin beide Qualirouten top klettern konnte, einreihte, verpasste Luisa Neumärker als Elfte hauchdünn den Finaleinzug. Auch Monika Retschy (München-Oberland, 14.), Lara Hojer (Frankfurt, 17.) und Louise Tharandt (Berlin, 22.) mussten nach den beiden Qualifikationsrouten die Kletterschuhe wieder einpacken. Bei den Junioren war leider auch für alle deutschen Starter zum Finale Zuschauen angesagt: Am ehesten hätte noch Marcel Dippon (Oberer Neckar, 13.) Finalchancen gehabt – seine Altersgenossen Fabian Bosler (Schwaben, 24.), Mathias Götting-Boller (Siegerland, 28.), Martin Tekles (Rosenheim, 29.), Lars Proske (Bielefeld, 32.) und Moritz Krämer (Siegerland, 35.) waren leider chancenlos im starken Juniorenfeld.
Rockmaster-Feeling beim Finale an der Außenwand
So waren es dann auch genau die erhofften 10 deutschen Finalisten – eine Quote, die sich sehen lassen kann – der DAV stellte damit ein Sechstel der Finalisten! Die durften dann am nächsten Morgen bei perfektem Wetter in die beiden Finals an die Außenwand, die die Routenbauer an zwei delikaten Stellen mit interessanten und Hilfe gebenden Wandmalereien verziert hatten. Die Finalroute der männlichen Jugend war zweigeteilt mit einem eigenen Ausstieg für die B-Jugend, während alle Mädels-Altersklassen in einer Route antreten mussten. Die Zuschauer konnten es sich derweil auf dem angrenzenden Sportplatz nach Rockmaster-Manier bequem machen.
Jugend B: Schwerer Sprung und zu leichtes Finale
Im Finale der weiblichen Jugend B musste als erste deutsche Starterin Luisa Deubzer vor heimischer Kulisse antreten: Sie schaffte es problemlos über den schweren Einstiegsboulder am zweiten Haken, dem bereits die ersten drei Starter zum Opfer gefallen waren, und scheiterte erst an einem weiten Sprung nach rechts im oberen Drittel der Route. Damit reichte es ihr am Ende für den sechsten Rang. Ihrer Teamkollegin Lilli Färber erging es nicht besser: Sie schaffte es auch nicht, den Zielgriff nach dem Sprung sicher zu fassen, wurde aber aufgrund des besseren Vorrunden-Ergebnisses noch Vierte. Um aufs Treppchen zu klettern musste man auf jeden Fall diese Stelle meistern – das schafften auch die Französin Laura Michelard, die Dritte wurde, sowie die beiden Östereicherinnen Katharina Posch und Berit Schwaiger. Da die beiden sowohl in der Vorrunde zweimal top geklettert waren, als auch am selben Griff im Finale abgetropft waren, musste ein Superfinale herhalten. In der Route der männlichen B-Jugend sorgte die Jugendweltmeisterin Posch dann aber für klare Verhältnisse und siegte mit deutlichen 15 Zügen Vorsprung.
Damit wäre sie bei den Jungs immerhin noch Fünfte geworden – für die starken B-Jugendlichen war das Finale allerdings etwas zu leicht geschraubt, denn gleich 4 Starter konnten das Finale top klettern, darunter auch die beiden DAVler Sebastian Halenke und David Firnenburg. Firnenburg konnte als erster Finalist die Umlenkung einhängen und sich danach auf die Bank des aktuell Führenden setzen, die später von Sebastian Halenke besetzt wurde. Aber auch der letzte Starter, Vizeweltmeister Domen Skofic (SLO), kletterte top, so dass Halenke (Bild rechts) knapp auf den zweiten Rang verwiesen wurde. Pech für David Firnenburg (Bild links): Für ihn blieb nur der undankbare vierte Platz hinter dem französischen Fels-Shootingstar Geoffray de Flaugergues, trotz „Top“ im Finale. Auch für Sammy Adolph lief es nicht ganz optimal: Beim Aufstützer auf ein Volumen rutschten ihm Hand und Fuß weg – Platz Sieben am Ende für ihn. Sektionskollege Florian Wientjes fiel einem Positionsfehler zum Opfer; damit blieb ihm leider nur der zehnte Platz.
A-Jugend: Megos joggt zum Sieg!
Den Sieg bei der weiblichen A-Jugend holte sich die französische Vizeweltmeisterin Helen Janicot vor der Weltmeisterin Katherine Choong (SUI) und ihrer Teamkollegin Amanda Rohner, die damit das erste Mal auf einem internationalen Treppchen stand. Große Spannung unter den deutschen Fans bei der männlichen A-Jugend, galt es hier doch auch wieder drei DAV-Starter anzufeuern. Der erste DAVler, der die Isolation verließ, war der Tölzer Robin Gray: Er konnte die kraftraubende Linksquerung noch gut meistern, bevor ihm nach einem anstrengenden Clip schlagartig der Strom ausging – Platz 6 am Ende für ihn. Jan Hojer konnte an dieser Stelle noch zwei Züge weiter klettern, tropfte dann aber auch vorzeitig ab. Damit lag er als vorletzter Starter auf dem dritten Rang – nur noch Teamkollege Alexander Megos (Bild) konnte ihm vom Podium verdrängen. Der starke Franke, der zu Trainingszwecken auch gerne mal eine leistige 10+ im Fränkischen vier Mal hintereinander klettert, ließ aber nichts anbrennen und durchstieg als einziger in der Jugend A die Finalroute – dabei chalkte er noch an Griffen, die seine Alterskollegen nur mit aufgeklappten Armen halten konnten – sein Durchstieg sah absolut mühelos aus. Nach Imst sicherte er sich damit seinen zweiten EYS-Sieg in Folge und machte einen weiteren Schritt in Richtung Europameistertitel.
Junioren: Dull fliegt
Damit blieb noch eine deutsche Starterin: Juniorin Ines Dull (Bild) kletterte souverän bis zum weiten Sprung nach rechts, den sie energisch ansetzte, dann aber den Zielgriff nicht hundertprozentig zu fassen bekam und mit zunehmendem Körperschwung aus der Wand katapultiert wurde – ein Doppeldyno hätte hier vielleicht helfen können, den Schwung schneller abzufangen. Wie bei den anderen Mädelsklassen war dieser Sprung auch bei den Juniorinnen der Schlüssel zum Podium. Dull lag mit ihrer Höhe noch auf dem 3. Platz bevor die letzte verbliebene Starterin, die Top-Favoritin Charlotte Durif (F), an die Wand kam. Durif, die nicht unbedingt für einen dynamischen Kletterstil bekannt ist, zögerte lange, bevor sie zum Sprung ansetzte, meisterte diesen aber problemlos. Aber auch für sie war kurz darauf Schluss – damit blieb das Damenfinale undurchstiegen. Durif scheiterte am gleichen Griff wie zuvor bereits die slowenische Vizeweltmeisterin Ana Ogrinc, gewann aber schließlich aufgrund der besseren Vorrundenwertung. Dritte wurde Christina Stütz (A).
Bei den Junioren gab es gleich fünf Finalbegehungen, so dass auch hier das Vorrundenergebnis herhalten musste: Gauthier Supper (FRA) machte so das Rennen vor Mario Lechner (A) und Yuriy Dzubiak. Wie schon bei der Jugend B hatten auch hier die Routenbauer die starken Jungs wohl ein wenig unterschätzt…
Speedfinale: Isabell Haag nicht zu schlagen!
Nachdem die Sonne dann aus der Wand verschwunden war, stand noch das abschließende Speedfinale auf dem Programm: Mit den Zeiten in der Qualifikation hatten die schnellen Deutschen ja bereits angekündigt, dass sie heiße Kandidaten für die Podien sind und so schafften es mit der lautstarken Unterstützung der Zuschauer auch Isabell Haag, Maximilian Porscha (beide Jugend A) und Fabian Bosler (Junioren) in die Runde der letzten vier. Hier unterlagen zwar in ihrer Paarung sowohl Porscha als auch Bosler, die beiden gewannen jedoch noch das kleine Finale und standen damit als Dritte auf dem Podium ihrer Altersklassen. Für Isabell Haag lief sogar noch besser: Im Finale gegen die WM-Dritte Anna Ghislimberti (ITA) siegte Haag hauchdünn mit etwas mehr als einer Zehntelsekunde Vorsprung – damit gab es den zweiten Sieg des Tages für den DAV! Die Platzierungen der weiteren deutschen Speed-Starter: Lucas Günther (Schwaben, 11. Platz Jugend B); Dominik Winkler (18., Jugend A); Sofia Porscha (7., Jugend B), Afra Hönig (10., Jugend B).
Nach einer langen Siegerehrung, bei der 36 Pokale vergeben wurden und die Franzosen mit ausgesprochenen Sangeskünsten glänzen konnten, traten die Teams wieder die Heimreise an. Als Fazit auch vieler ausländischer Trainer und Sportler bleibt ein hervorragend organisierter Wettkampf an einer top Wettkampfwand, die bei passendem Wetter mit echtem Rockmaster-Feeling aufwarten kann. Wesentlich zum guten Gelingen des Wettkampfes beigetragen hat auch das perfekt koordinierte Helferteam der Sektion Oberland unter Leitung von Nils Schützenberger und Carla Bräunig und die reibungslose Kooperation mit dem Trägerverein der Kletteranlage.
Für den DAV Jugendkader geht es bereits am nächsten Wochenende nach Edinburgh zum nächsten EYS-Wettbewerb in eine der beeindruckendsten Kletterhallen der Welt: Das Ratho-Center mit Wandhöhen bis zu 30m ist in einen Steinbruch hinein gebaut und wird 2010 die Austragungsstätte der Jugend-WM sein.
Komplette Ergebnisse unter www.ifsc-climbing.org
Partner des EYS:
• Stadt München – Sportamt
• Sektion Oberland des DAV
• Trägerverein des Kletterzentrums München
• VauDe
• Edelrid
• bergleben.de
• klettern
• climbing.de
Text: Matthias Keller, DAV
Fotos © DAV/Matthias Keller & Jorgos Megos
letztes Upload: 15.09.2009

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