Deutscher Bouldercup:
Die Goldstadt Pforzheim wird zur Goldstadt für Danker und Wurm
Es war eine erlesene Runde, die sich am vergangenen Samstag zum dritten Deutschen Bouldercup in Pforzheim eingefunden hatte: Die Sektion Pforzheim hatte in Kooperation mit der Pforzheimer Messe PKM und der Agentur proconcept in die St-Maur Eissporthalle geladen und gerade einmal 8 Damen und 32 Herren hatten sich in die Goldstadt am Rande des Schwarzwaldes aufgemacht, um die Medaillen unter sich auszumachen. Nach der Rekord-Beteiligung auf der Münchner ispo war es nun ein wenig verwunderlich, warum sich nur so wenige Boulderer angemeldet hatten – die Meldelage zu den Bouldercups scheint eigenen Gesetzmäßigkeiten zu gehorchen… Zumindest die Top-Favoriten waren aber alle versammelt und ließen in der Quali auch nichts anbrennen: Bei den Herren erreichten alle Verdächtigen, die man auch im Halbfinale erwartet hätte, die Runde der besten Zwanzig; die Damen-Quali wurde angesichts der Teilnehmerzahl jedoch ganz gestrichen und der Damen-Wettkampf begann mit dem Halbfinale.
In der zweiten Runde warteten dann mit schweren Bouldern doch einige Überraschungen auf die Herren -eine ganze Reihe starker Kletterer fiel den Halbfinalbouldern zum Opfer: Markus Jung (Siegerland), der 2008 immerhin zweimal im Finale eines Bouldercups stand, musste gar ganz ohne Topbegehung und mit nur einer Bonuswertung die Schuhe wieder einpacken; der Deutsche Meister Jan Hojer hatte mit einem Top auch nicht viel mehr Glück, ebenso wie ispo-Gewinner Bruno Vacka (Rosenheim), der sich auch noch am zweiten Boulder am Knie verletzte. Aber auch für zwei andere große Namen lief es nicht optimal an diesem Tag: Nur zwei Boulder und damit noch einen zu wenig für das Finale hatte Altmeister Christian Bindhammer (Kempten) am Ende des Halbfinales auf seinem Laufzettel stehen, ebenso wie der amtierende Deutsche Bouldermeister Andre Borowka (SBB). Wer in die Runde der letzten 6 wollte, musste aber mindestens drei Boulder klettern und das schafften schließlich Frank Jaenecke (Leipzig), Thomas Tauporn (Schwäb.-Gmünd), Peter Würth (Ludwigshafen), Jonas Baumann (Wuppertal), Markus Hoppe (SBB) und Stefan Danker (Landshut), der als einziger drei Halbfinalboulder flashen konnte. Im Finale schlug dann erneut die Stunde von Stefan Danker: Unglaublich souverän und kontrolliert konnte der Landshuter, der in diesem Jahr aufgrund von zahlreichen Uni-Prüfungen leider auf einen WM-Start in China verzichten muss, als einziger der Finalisten alle 4 Boulder im ersten Versuch klettern. Bereits vor dem vierten Boulder stand Danker schon als Sieger fest, als er aber dann auch noch als einziger den letzten schweren Boulder, an dem sich zuvor alle die Zähne ausgebissen hatten, klettern konnte, tobten die Zuschauer in der Halle. Anders als seine Konkurrenten zuvor setzte Danker nicht zum Doppeldyno an eine abschüssige Kante an, sondern drehte einfach den Startgriff zum Sprung auf Untergriff um – alle seine Konkurrenten hatten dies zuvor erfolglos probiert – und machte den Zug einfach statisch. Mit diesem Coup sicherte sich Danker seinen ersten Bouldercup-Sieg, nachdem er bereits in Kitzbühel nur einen klitzekleinen Zug vom Sieg entfernt gewesen war und ihm statt dem Sieg nur der sechste Platz blieb… An diesem Tag hatte auch Jonas Baumann kein Mittel gegen Dankers Kletterkunst parat; der Wuppertaler wurde Zweiter vor Markus Hoppe und Thomas Tauporn – alle drei konnten noch drei Finalboulder klettern. Peter Würth landete auf dem fünften Rang vor Frank Jaenecke. In der Meisterschaftswertung führt nun auch vor dem abschließenden Wettkampf in Überlingen Stefan Danker mit deutlichem Vorsprung vor Jonas Baumann und Mathias Conrad (Zweibrücken).
Juliane Wurm: Wer kann sie stoppen…?
Bei den Damen war etwas weniger Spannung geboten: Nachdem zwei der acht Kletterinnen für das Finale ausgesiebt waren, durften Juliane Wurm (Wuppertal), Luisa Neumärker (SBB), Kathrin Lau (Frankenthal), Anna-Katharina Böhm (SBB), Monika Retschy (München-Oberland) sowie Birte Loichen (Koblenz) noch einmal an die Wände. Bereits im Vorfeld war klar, dass der Sieg nur über einen Fehler von Juliane Wurm zu holen sein würde. Aber die Wuppertalerin zeigte einmal mehr, dass sie national immer noch keine ernsthafte Konkurrenz befürchten muss: Als einzige kletterte sie alle vier Finalboulder und verwies die stark aufkletternde Monika Retschy, die drei Boulder flashen konnte, auf den zweiten Rang. Einen Versuch mehr als Retschy benötigte Luisa Neumärker für ihre drei Boulder, so dass sie knapp auf dem dritten Platz landete. Großes Pech für Anna–Katharina Böhm: Sie verletzte sich ähnlich wie zuvor Bruno Vacka im Herren-Halbfinale bei einem Hook am Knie und musste leider nach dem zweiten Boulder aufgeben. So machten Kathrin Lau (4.) und Birte Loichen (5.) die verbliebenen Plätze unter sich aus – beiden gelang noch ein Finalboulder im Flash.
Juliane Wurm ist nach dem Bouldercup in Pforzheim auf dem besten Weg, einen weiteren Titel ihrer Sammlung hinzuzufügen – sie führt die Meisterschaftswertung mit 300 Punkten nahezu uneinholbar an vor Kathrin Lau (215 Punkte) und Monika Retschy (131 Punkte). Juliane muss damit in Überlingen eigentlich nur noch antreten, um die Meisterehren entgegenzunehmen. In Überlingen wird Juliane dann frisch von der Weltmeisterschaft in China zurückgekehrt sein – ihr Augenmerk wird hier aber eindeutig auf dem Lead-Wettkampf liegen und bei entsprechender Form darf sie sich durchaus einen Top10-Platz oder vielleicht sogar den Finaleinzug als Ziel vornehmen.
DM Bouldern Jugend: Drei neue Deutsche Meisterinnen in der Jugend B
Am Sonntag stand dann nach der Veranstaltung im Vorjahr erneut die DJM Bouldern in Pforzheim auf dem Programm – anders als bei den Senioren gab es hier kein Anmeldedefizit zu beklagen: 85 Jugendliche waren das beste Beispiel, dass Bouldern gerade bei den Nachwuchskletterern hoch im Kurs steht. Unter den Startern waren auch zahlreiche neue Gesichter, die man zuvor noch auf keinem DAV-Wettkampf gesehen hatte – ebenso gab es auf den Meisterschaftspodien den einen oder anderen neuen Namen . Keine wirkliche Überraschung sondern eher Enge auf dem obersten Stockerlplatz gab es jedoch bei der weiblichen Jugend B zu vermelden: Hier hatte sich das Routenbauerquartett Christian Benk, Tobi Reichert, Christoph Gabrysch und Dirk Uhlig ein wenig verschätzt und bereits die Quali für die Mädels ein wenig zu leicht geschraubt, so dass gleich fünf Damen alle 5 Boulder flashen konnten. Als dies im Finale mit Luisa Deubzer und Sarah Schützenberger (beide München-Oberland) sowie Lilli Färber (Erlangen) wiederum drei Mädels gelang, musste das Novum Superfinale herhalten. Gerade erst zwei Wochen zuvor hatte es beim Boulder-Weltcup in Hall erstmals in der Weltcup-Kletterhistorie ein Boulder-Superfinale gegeben und danach auch noch zwei Siegerinnen. So stand die Premiere auf deutschem Boden in Pforzheim an und wie die großen Weltcup-Vorbilder hatten auch alle drei B-Mädels mit dem Superfinale kein Problem – der Boulder der männlichen Jugend stellte die Bayern-Grazien vor keine ernsthaften Probleme: 3x Flash! Die Probleme hatte dann jedoch der DAV –Delegate, da es für drei Deutsche Meisterinnen natürlich zu wenig angemessene Preise und Medaillen gab…
Bei den männlichen B-Jugendlichen war die Sachlage dann schon klarer: Sammy Adolph (München-Oberland) konnte sich in lockerer Manier den Meistertitel vor seinem Sektionsgenossen Christoph Hanke und dem jüngsten der drei Baumann-Brüder, Lukas (Wuppertal) sichern. In der A-Jugend erkletterte sich ein starker Maximilian Porscha (Schwaben) seinen ersten Meistertitel vor dem noch vom Vortag etwas geschwächten Alexander Megos (Erlangen) – Porscha konnte in einer sehr starken Vorstellung als einziger alle vier Finalboulder klettern – und dies auch noch im ersten Versuch. Dritter wurde Felix Leoth vom Alpinclub Hannover. Die neue deutsche A-Jugend Bouldermeisterin heißt Isabell Haag (Schwaben) – sie holte sich den Titel vor Katharina von Chamier (Münster) und Jennifer Rosenberger (Karlsruhe). In den Juniorenklassen gab es in Abwesenheit einiger Jugendkaderkletterer ein paar neue Namen auf dem Podium: Simon Unger (Augsburg) wurde verdient mit vier Flashs im Finale neuer Juniorenmeister vor Fabian Bosler (Schwaben) und Pablo Hradecky (Berlin). Bei den Juniorinnen standen drei Mädels aus dem Bayernkader auf den Treppchen: Monika Retschy ließ nach ihrer starken Vorstellung am Vortag bei den Damen auch bei den Juniorinnen nichts anbrennen und kletterte als einzige drei Finalboulder – der Meistertitel war der verdiente Lohn. Vizemeisterin wurde die Rosenheimerin Magdalena Kärcher knapp vor Milena Krämer (Erlangen). Neben insgesamt starken Nachwuchsleistungen steht als Fazit der DJM vor allem auch die überragende Bilanz des Bayern-Kaders: 10 der 18 Medaillen gingen an die Jungs und Mädels aus dem Süden – Respekt! Der Bayer an sich scheint gut und gerne zu bouldern…
Das Finale des Deutschen Bouldercups und die Vergabe der Bouldermeistertitel 2009 stehen traditionell mit der Bodensee-Beachparty in Überlingen am 11.7. auf dem Programm – hier werden auch internationale Starter zugelassen sein und es haben sich bereits auch einige internationale Größen angekündigt. Außerdem steigt wieder ein Speedcup direkt am Bodensee zu später Stunde.
Text: DAV / Matthias Keller
Bilder: © Matthias Keller
Komplette Ergebnisse siehe www.digitalrock.de
Partner des Deutschen Bouldercups::