Sportklettercup Würzburg: Gelungene Premiere in Unterfranken
Tauporn und Wurm machen das Rennen!
Franken und Klettern, das ist miteinander verbunden wie Chalk mit Bag, und auch die Unterfranken, die von den eigentlichen Felsen ein wenig weiter entfernt wohnen, sind durchaus kletterbegeistert. Davon konnte man sich am vergangenen Wochenende im DAV Kletterzentrum Würzburg überzeugen, als die deutsche Kletterelite zum Finale des Sportklettercups 2010 antrat. Hierzu hatten sich 26 Damen und 41 Herren eingefunden – zum Jugendcup am Sonntag noch einmal weitere 89 Jugendliche. Während für die Youngsters noch ein weiterer Wettkampf aussteht, bis die besten 8 jeder Altersklasse für die Deutsche Meisterschaft Ende November feststehen, ging es für die Damen und Herren in Unterfranken bereits um die sprichwörtliche Wurst.
Neue und alte Gesichter überzeugen bei den Damen
Bei den Damen wartete die erste Überraschung in der Qualifikation: Die zuvor Führende im Sportklettercup, Luisa Neumärker (SBB), musste sich unerwarteterweise mit dem neunten Platz und damit der Zuschauerrolle im Finale zufrieden geben. Dafür lief es für einige neue und alte Namen umso besser: Marion Mannheim (Koblenz) sorgte bei ihrem ersten nationalen Lead-Wettkampf gleich für Aufsehen und zog souverän ins Finale ein. Ebenso die nach langer Wettkampfpause wieder ins Geschehen eingestiegene Natalie Sailer (Augsburg). Nur zwei Damen gelang es, beide Qualifikationsrouten zu toppen: Ines Dull (Allgäu-Kempten) und Juliane Wurm (Wuppertal) hatten erwartungsgemäß keine Probleme in den ersten beiden Runden. Die Finalistinnen wurden komplettiert durch Julia Winter (SBB), Saskia Schuster (Frankfurt), Luisa Deubzer (München-Oberland) und Denise Plück (Köln-Rheinland).
Knapp - aber wieder einmal: Wurm ganz oben!
Die acht Damen durften dann auch als erste im Finale an die Wand – die Halle war mittlerweile randvoll und die Stimmung absolut finalwürdig. Als erste Finalistin konnte Marion Mannheim gleich eine beeindruckende Höchstmarke setzen, die auch von den danach folgenden Damen nicht überklettert werden konnte. Sowohl Saskia Schuster, Denise Plück, Luisa Deubzer als auch Julia Winter konnten Mannheims Höhe nicht erreichen. Erst Natalie Sailer übernahm schließlich mit der gleichen Höhe wie Mannheim, aber dem besseren Qualifikationsergebnis, den Platz auf der Leaderbank. So blieben nur noch die beiden zuvor top gekletterten Damen Dull und Wurm. Letztere musste ungewohnterweise als Vorletzte an die Wand und kam hier auch deutlich weiter als zuvor Sailer, schaffte es aber nicht, die Umlenkung einzuhängen. So hatte es die quirlige Allgäuerin Dull in der Hand, ihren ersten Sportklettercup zu gewinnen: Zuerst lief alles nach Plan für Dull und sie schraubte sich Griff um Griff an die Höchstmarke von Wurm heran, bevor ihr aber einen halben Zug vor der Messlatte die Puste ausging. Damit gab es einen weiteren Sieg für Juliane Wurm – wenn auch so knapp wie schon lange nicht mehr. Platz drei sicherte sich Natalie Sailer vor Marion Mannheim und Julia Winter.
Routentechnische Vielfalt in der Herrenquali
Auch bei den Herren gab es bereits in der Qualifikation die eine oder andere Überraschung: Christian Bindhammer (Allgäu-Kempten) beispielsweise erwischte einen rabenschwarzen Tag und musste auf Rang 21 deutlich abgeschlagen nach der Quali in die Zuschauerränge. Sonst eigentlich immer für den Finaleinzug gut, kam er an diesem Tag einfach nicht in die Gänge. Ebenso erging es Markus Jung (Siegerland), für den ebenfalls mit Rang 18 nach der Qualifikation Schluss war. Die beiden Qualifikationsrouten der Schraubercrew Christoph Müller, Timo Preussler, Maxi Wörner und Peter Lelek fragten dabei alle relevanten Kletterskills ab: Auf die technische und bewegungslastige erste Quali folgte eine athletisches Boulderroute im zweiten Durchgang. Am besten zu recht mit den Anforderungen kamen fast erwartungsgemäß Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd), Jan Hojer (Frankfurt) und Markus Hoppe (SBB), den auch ein immer noch lädierter Fuß nicht von zwei Topbegehungen in der Quali abhalten konnte. Außerdem hatten sich noch Alexander Megos (Erlangen) und Felix Neumärker (SBB) mit zwei fehlerfreien Durchgängen für das Finale der besten 8 qualifiziert. Für den Landshuter Stefan Danker – Gesamtsieger des Sportklettercups 2009 - wurde es hingegen noch spannend: Nachdem er in der zweiten Quali ein wenig geschwächelt hatte, erreichte er „nur „ als Sechster das Finale. Komplettiert wurde die Finalriege durch Youngster Sammy Adolph (München-Oberland) und Tobias Gartmann (Stuttgart).
Stromausfall und Superfinale
Zum finalen Showdown wartete dann eine lange vertikale Reise auf die Finalisten: Es ging im „Riesenslalom“ (O-Ton der Moderatoren) durch die Wettkampfwand, gewürzt mit Sprüngen und interessanten technischen Stellen an Volumen – die Routenbauer hatten hier ganze Arbeit geleistet und boten eine der spektakulärsten DSC-Finalrouten der letzten Jahre. Hier taten sich dann einige der zuvor fehlerfrei gekletterten Kandidaten sichtlich schwer: Sowohl für Felix Neumärker als auch für Alexander Megos war bereits nach gut der Hälfte der Route Schluss. Auch Stefan Danker schien nach seinen internationalen Boulder-Einsätzen noch nicht wieder ganz an seine alte Seilform herangekommen zu sein: Er musste sich am Ende mit Platz vier zufrieden geben. Anders hingegen erging es dem gehandicappten Markus Hoppe, der sich trotz Schmerzen im Sprunggelenk deutlich vor Danker platzieren konnte und sich den dritten Rang sicherte. Gegen zwei war an diesem Tag allerdings kein Kraut gewachsen: Jan Hojer, zuvor bei den internationalen Wettkämpfen noch vom Pech verfolgt, hat anscheinend wieder zu einer Topform zurück gefunden. Diese hat immer noch Kollege Tauporn, für den die Weltcupsaison ja noch nicht beendet ist. Beide konnten mit der gleichen Wertung das Finale beenden – Tauporn kletterte davon noch eine Minute in Dunkelheit nach Stromausfall – so dass es schließlich hieß: Superfinale! In der gleichen Route wie zuvor ließ Tauporn dann nichts mehr anbrennen und kletterte noch einmal 10 Züge weiter als zuvor, während Jan Hojer seinen persönlichen Stromausfall hatte und an seinem vorherigen Höchstpunkt erneut fiel. So holte sich „Shorty“ nicht nur einen weiteren Sportklettercup-Sieg sondern als erster deutscher Mann auch Siege bei nationalen Lead-/ Boulder- und Speedcups innerhalb eines Jahres. Das war zuvor nur Juliane Wurm 2007 bei den Damen gelungen!
Zur Siegerehrung auf dem wahrscheinlich stylishsten Siegerpodest der Welt – einem von hinten beleuchteten Plexiglaspodest mit DAV-Logo - gab es dann nicht nur die Tagessieger zu ehren, sondern auch die Gesamtwertung im Sportklettercup 2010. Hier holten sich bei den Herren Alexander Megos vor Jan Hojer und Markus Hoppe die Siegerschecks, bei den Damen konnte sich trotz knappem Final-Aus Luisa Neumärker über den Gesamtsieg freuen. Zweite wurde Luisa Deubzer vor Ines Dull.

Irokesen-Show beim Jugendcup…

Zum Jugendcup am Sonntag traten diesmal nur die A- und B-Jugendlichen an -die Juniorenwertung war bereits am Tag zuvor aus der Damen-/ Herrenkonkurrenz heraus gerechnet worden. Diese Regelung soll nach dem Vorbild anderer Länder auch in Zukunft beim Sportklettercup beibehalten werden, um den langen Wettkampf-Sonntag mit bisher 6 Jugendklassen ein wenig zu entzerren. In der neuen Juniorenwertung hatten sich am Tag zuvor bereits Thomas Tauporn vor Jan Hojer und Marcel Dippon(oberer Neckar) die Siege geholt. Bei den Mädels gewann Ines Dull vor Luise Raab (Frankfurt) und Maria Gut (Deggendorf).
Bei den B-Jugendlichen gab es ein weiteres Mal eine echte „Halenke-Show“: Der Doppel-Jugendweltmeister und überzeugter Irokesen-Träger Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) toppte als einziger die Finalroute der männlichen Jugend und demonstrierte erneut seine Klasse. Hinter ihm auf Rang zwei aber ebenfalls überzeugend war David Firnenburg (Alpinclub Hannover), der sich gegen den Dritten Joachim Tensing (Coburg) durchsetzen konnte. Sowohl Tensing als auch der Viertplatzierte Moritz Hans (Schwaben) können ihr Talent am kommenden Wochenende auch international unter Beweis stellen, denn die beiden wurden von den Bundesjugendtrainern zu einem Gaststart beim Europäischen Jugendcup in Annecy eingeladen.
Die Konkurrenz der B-Mädels war spannend wie nie, denn die vermeintliche Topfavoritin Hannah Baehr (Schwäbisch-Gmünd) hatte es mit einer überragend aufkletternden Konkurrentin zu tun, die sie bis ins Superfinale forderte: Lina Himpel (Frankfurt) hat sich seit dem letzten Jahr kontinuierlich gesteigert und bot in Würzburg eine sehr starke Leistung. Erst im Superfinale in der Route der männlichen Jugend konnte Baehr den Sieg klar machen. Mit ihrer Leistung wäre sie sogar noch aufs Podium der männlichen A-Jugend geklettert…Hinter Himpel landete mit Rica Naundorf (Rheinland-Köln) eine weitere Überraschungskandidatin auf dem Podium.
In der A-Klasse bestand Chris Hanke (München-Oberland) den vertikalen Elchtest am besten – er holte sich mit doch klarem Abstand den Sieg vor Jan Nicklas (Frankenthal) und Philipp Hans (Schwaben). Klare Verhältnisse auch bei den A-Mädels: Luisa Deubzer machte den Favoritensieg klar und gewann mit der einzigen Topbegehung des Finales vor Chiara Maria Clostermann (Ringsee) und Isabell Leiner (Zweibrücken). Nun steht für die Jugendlichen noch der finale Jugendcup am 30.10. in Balingen aus – hier werden schließlich auch die besten 8 jeder Altersklasse für die deutsche Meisterschaft ermittelt.
Mit der Jugend-Siegerehrung ging ein ereignisreiches Sportklettercup-Wochenende zu Ende, dass insbesondere auch durch das perfekt agierende und allzeit hilfsbereite Team der Sektion Würzburg zu einem vollen Erfolg wurde. Dass man auch zur „Premiere“ einen perfekten Wettkampf hinlegen kann, haben die Würzburger damit bewiesen und sich in der nationalen Wettkampf-Landschaft für weitere Veranstaltungen empfohlen. Eine Wiederholung lohnt sich alleine schon, um wieder in den Genuss des gigantischen Athletenbuffets (O-Ton Kletterer: „Das beste Buffet, seit ich Wettkämpfe klettere!“) zu kommen. Und das beleuchtete Siegerpodest will auch wieder bestiegen werden…
Komplette Ergebnisse 6 Ranglisten unter www.digitalrock.de
Die besten 12 Herren und 8 Damen des Sportklettercups 2010 haben sich für die Deutsche Meisterschaft am 27.10. in Leipzig qualifiziert.

Matthias Keller
Fotos © Klaus Hogrebe /Sportklettern NRW
letztes Upload: 20.10.2010


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