Und täglich grüßt das Wurmeltier:
Juliane Wurm erneut Vierte beim Boulder Weltcup in Sheffield (GBR) -
starke deutsche Teamleistung

Es scheint verhext zu sein: Nach zwei vierten und einem fünften Platz in dieser Saison landete Juliane Wurm (Wuppertal) beim vorletzten Boulder-Weltcup der Saison in Sheffield (GBR) erneut auf dem undankbaren vierten Platz - dabei hätte die deutsche Meisterin auch mit etwas mehr Glück den Wettkampf gewinnen können.

Erneut hatte Wurm sowohl die Qualifikation auf Platz 2 als auch das Halbfinale auf Platz drei beendet und hier noch ihre Podiumsambitionen deutlich gemacht. Im Finale trafen sich mit Akiyo Noguchi (JAP), Anna Stöhr (AUT), Melissa Le Neve (FRA), Alex Puccio (USA) und Wurm mehr oder weniger die alten Bekannten in dieser Saison - einzig die sechste Finalistin Katahrina Saurwein (AUT) hatte man in dieser Saison noch nicht in einem Weltcupfinale gesehen.

Wurm zweimal knapp am Topgriff gescheitert

In der letzten Runde ging es dann ordentlich zur Sache im Sheffielder Zirkuszelt: Den ersten Boulder konnten zwar noch alle Damen klettern, jedoch gelang dies nur Noguchi, Wurm, Saurwein und Puccio im ersten Versuch. An Boulder 2 bissen sich danach alle Finalistinnen die Zähne aus - das Sloperproblem blieb ungeklettert. Hier hätte sich Juliane Wurm jedoch mit etwas mehr Glück an die Spitze des Feldes setzen können, denn sie hatte bereits den Topgriff in einer Hand, als sie beim Aufrichten doch noch aus der Wand kippte. Auch beim nächsten Boulder blieb Wurm das Top mit viel Pech verwehrt: Die zweite Hand konnte man am schlechten Topgriff nur dann dazu holen, wenn der Hook an einem Volumen bombenfest saß - auch hier musste Wurm zweimal am Topgriff passen. Nur Melissa Le Neve, Alex Puccio und der einmal mehr überragend kletternden Akiyo Noguchi gelang dieser Boulder - Noguchi sogar im Flash - das bedeute die Führung für sie. Auch am letzten Damenboulder war wieder der Topgriff die Crux: Die, die den weiten Seitzug zu Beginn geschafft hatten, mussten dann alle am finalen Osterei die Segel streichen - auch das letzte Problem blieb damit ungeklettert. Juliane Wurm scheiterte hier leider schon zu Beginn an besagtem weiten Seitzug, platzierte sich mit ihrem Flash von Boulder eins und einer zusätzlichen Bonuswertung aber am Ende doch noch auf Platz vier vor Katharina Saurwein und Anna Stöhr, die nach ihrem Hitzeausfall von Barcelona nun auch in Sheffield Nerven zeigte. So holte sich Akiyo Noguchi nun den dritten Weltcupsieg in zwei Wochen vor Melissa Le Neve und Alex Puccio. Damit bleibt auch das Rennen um die Weltcup-Gesamtwertung bei den Damen weiterhin spannend: Stöhr führt nun nur noch mit hauchdünnen 5 Punkten Vorsprung vor Noguchi - der abschließende Weltcup in München am 19./20. August wird hier wie im Vorjahr die Entscheidung bringen. Erfreulich aus deutscher Sicht: hinter Alex Puccio (3.) und Melissa Le Neve (4.) wird Juliane Wurm aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr wieder den Weltcup als Gesamt-Fünfte abschließen - wenn sie in München keinen Blackout hat.

Monika Retschy mit bestem Weltcup-Ergebnis

Neben Juliane Wurm war noch eine weitere deutsche Dame in Sheffield angetreten: Monika Retschy (München-Oberland), die erst seit zwei Wettkämpfen das deutsche Weltcupteam verstärkt, kletterte ebenfalls sicher ins Halbfinale und erreichte hier am Ende mit dem dreizehnten Platz ihr bestes Weltcup-Ergebnis. Leider gelang ihr im Halbfinale wie acht weiteren Starterinnen kein einziger Boulder - aber mit 4 Bonuswertungen schob sich Retschy noch an zahlreichen anderen Damen vorbei.

Überzeugende Leistung der DAV-Herren - Matze Conrad hauchdünn am Finale vorbei

Bei den Herren standen insgesamt fünf deutsche Starter auf der Meldeliste: Jonas Baumann (Wuppertal), Mathias Conrad (Zweibrücken), Stefan Danker (Landshut), Peter Würth (Ludwigshafen) und Jan Hojer (Frankfurt). Lediglich Peter Würth musste bereits in der Qualifikation als 29. passen - alle anderen vier erreichten sicher das Halbfinale. Und die Leistungen der DAV-Männer machten Hoffnungen: Sowohl Mathias Conrad als auch Jonas Baumann führten jeweils ihre Gruppen an und zogen als erste nach der Qualifikation ins Halbfinale ein. Dicht dahinter folgte Jan Hojer auf dem dritten Platz und auch Stefan Danker zog als Siebzehnter noch in die Runde der besten Zwanzig ein. Damit standen mit den beiden Damen Wurm und Retschy insgesamt sechs DAV-Kletterer im Halbfinale bei einem Boulder-Weltcup - das hatte es zuvor noch nie gegeben. Im Halbfinale riss dann aber leider etwas die Erfolgssträhne der DAV-Recken: Danker und Baumann gingen sogar komplett leer aus und landeten am Ende auf dem 19. bzw. 20. Platz. Jan Hojer schaffte noch einen der vier schweren Halbfinalboulder im zweiten Versuch und erreichte damit Platz 13 - für einen Weltcupneuling wie ihn ein mehr als beachtliches Ergebnis. Noch beachtlicher schlug sich Mathias Conrad, der einen Boulder flashen konnte und damit Siebter wurde - haarscharf am Finale der besten Sechs vorbei. Trotz verpasstem Finaleinzug holte sich der sympathische Zweibrücker damit sein mit Abstand bestes Weltcup-Ergebnis und empfiehlt sich als ein weiterer Finalaspirant im Kreise der DAV-Boulderer.

Fischhuber macht den Sack zu - Tagessieg und Gesamtsieg Nummer fünf!

In die Runde der 6 Finalisten zogen in Sheffield schließlich Alexey Rubtsov (RUS), der als einziger alle vier Halbfinalboulder klettern konnte, Kilian Fischhuber (AUT), Daniel Woods (USA), Thomas Caleyron (FRA), Nicky de Leeuw (NED), sowie Cedric Lachat (SUI) ein. Das Rennen konnte dann einmal mehr der konstanteste Boulderer der letzten Jahre machen: Kilian Fischhuber benötigte schließlich für zwei Boulder zwei Versuche weniger als der Zweitplatzierte Lachat. Der Boulder-Weltmeister von 2009, Alexey Rubtsov, konnte seine Dominanz aus dem Halbfinale leider nicht wiederholen und wurde Dritter vor Woods, Caleyron und De Leeuw. Mit seinem Sieg holte sich Fischhuber nun auch bereits vorzeitig die Gesamtwertung im Boulder-Weltcup 2011, da sein Haupt-Konkurrent Dmitry Sharafutdinov aufgrund eines Visa-Problems nicht nach Sheffield reisen konnte. Mit seinem 16. Weltcupsieg und dem 5. Gesamttitel macht sich Fischhuber nun endgültig zum erfolgreichsten Wettkampfkletterer aller Zeiten - seit acht Jahren beendet er den Gesamtweltcup entweder auf Platz 1 oder zwei!

Finale des IFSC Boulder-Weltcups am 19./20.8. in München

Für die Nationalteams geht es nun erst einmal zur WM nach Arco (15.-24.7.), bevor am 19./20. August das finale Event des IFSC Boulder-Weltcups im Münchner Olympiastadion steigt. Alleine schon wegen der gigantischen Location lohnt sich hier das Dabeisein - da wie im Vorjahr das Outdoor-Festival parallel im Stadion stattfindet, werden zum Finale wieder knapp 5000 Zuschauer erwartet - Gänsehautatmosphäre unter dem Zeltdach ist also garantiert, vor allem, wenn es diesmal auch deutsche Boulderer ins Finale schaffen. Weitere Infos unter www.boulder-worldcup-2011.de

Komplette Weltcup-Ergebnisse und Ranglisten unter www.ifsc-climbing.org

Text: Matthias Keller
Fotos © Deutscher Alpenverein /Matthias Keller
letztes Upload: 04.07.2011


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