Westdeutsche Meisterschaft 2008:
Hervorragender Sport – strahlende Gewinner
NRW sahnt 8 von 11 vergebenen Meistertiteln ab

Am Samstag, 06.09.2008, fand im BigWall Klettercentrum Ahlen zum dritten Mal die Westdeutsche Meisterschaft der Landesverbände Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen statt, erstmals erweitert um die Westdeutsche Meisterschaft im Speed.
Unter den kritischen Augen eines ZDF-Teams, das den ganzen Tag über Eindrücke eines Kletterwettkampfes auf die Filmrolle bannte, hatten sich am frühen Morgen in der liebevoll hergerichteten alten Schwarzkaue der Zeche Westfalen in Ahlen gut 80 Starterinnen und Starter im orangenen T-Shirt-Meer ( wird das nun nach Frankenthal 2007 die Erkennungsfarbe für westdeutsche Meisterschaften?) begleitet von ihren jeweiligen Stützpunkt- bzw. Landestrainern eingefunden, um zunächst ihre Qualifikation im Lead auszutragen.
Alles was im Klettersport in diesen 4 Landesverbänden Rang und Namen hat, war angetreten. Das war eine ganz besondere Herausforderung für die beiden hauptverantwortlichen Routensetzer Tobias Reichert und Sascha Deiters. Die Routen mussten sowohl für internationale Kletterstars als auch für Frischlinge eine Herausforderung sein, die zum ersten Mal an einer „großen“ Meisterschaft teilnahmen. Es zeigte sich, dass den potentiellen Aspiranten auf ihrem Weg zum Titel „Westdeutscher Meister“ in ihren jeweiligen Qualirouten keine Geschenke gemacht wurden. Alle Routen waren fair geschraubt, es ging aber vor allem für die jüngsten Altersklassen schon heftig zur Sache.
Gestärkt durch eine Portion des berühmten BigWall-Chili-con-Carnes ging es in die Lead-Finals. Simon Ritter, Sektion Barmen, und Ana Tiripa, das Energiebündel der Sektion Rheinland-Köln freuten sich über die Meistertitel bei der Jugend C. Beide zeigten hervorragende Leistungen, die spätestens in der Saison 2009 auch national aufhorchen lassen werden. Dank des besseren Quali-Ergebnisses setzte sich in der B-Jugend Katharina von Chamier, Sektion Münster, vor Isabell Leiner aus Zweibrücken durch, während ihr Landeskaderkollege Jonas Winter, Sektion Barmen, den Titel bei der männlichen B-Jugend holte. Der große Auftritt der Hessen kam in der A-Jugend. Hier siegten erwartungsgemäß Jan Hojer und Luise Raab. Für eine positive Überraschung sorgte hier Simon Plum aus Aachen. Nach langer krankheits- und verletzungsbedingter Pause ist er stärker denn je zurück und erkletterte sich hinter Jan den Vizemeistertitel.
Überraschend stark kletterte bei den Damen Marion Mannheim, Sektion Koblenz, die schon in der Quali mit 2 makellosen Top-Begehungen gezeigt hatte, in welch guter Form sie sich derzeit befindet. Nachdem gleich den ersten beiden Finalistinnen eine schwere Boulderstelle im ersten Drittel der Finalroute zum Verhängnis geworden war, meisterte Marion diese Stelle unter tosendem Applaus der Zuschauer und legte eine gewaltige Höhe vor, die Irina Mittelman, Sektion Frankfurt, nur knapp übertreffen konnte. Souveräne Siegerin bei den Damen mit der 3. Top-Begehung in ihrer 3. Route an diesem Tag wurde allerdings die frisch gebackene Vize-Weltmeisterin Juliane Wurm, Sektion Wuppertal. Trotz ihres prall gefüllten internationalen Wettkampfkalenders hatte es sich Juliane nicht nehmen lassen, in Ahlen an den Start zu gehen und sich dem heimischen Publikum nach ihrer grandiosen Leistung von Sydney zu zeigen.
Für die Überraschung des Tages sorgte Sebastian Gerber von den Bergfreunden Saar mit der 1. Top-Begehung in der Finalroute der Herren. „Mir hat diese Route einfach gelegen“, so der strahlende Vizemeister, der nur auf Grund seines schlechteren Vorrundenergebnisses Jan Hojer, Sektion Frankfurt, den Titel überlassen musste. Jan zeigte fast schon erwartungsgemäß und souverän dem Publikum seine Top-Begehung in der Finalroute. Auf Platz 3 kam Jonas Baumann, Sektion Wuppertal, Platz 4 belegte Simon Plum, Aachen. Allen anderen Herren-Finalisten wurde die frühe Schlüsselstelle zum Verhängnis.
Nach den spannenden Lead-Finals ging es dann am frühen Abend an die Speedwand. Einen heißen Konkurrenzkampf lieferten sich hier bei den Mädels Isabell Leiner, Zweibrücken, und Ana Tiripa, Rheinland-Köln. Zeigte Isabell im Halbfinale die schnellste Zeit des Tages, so hatte am Ende doch Ana im alles entscheidenden Finale die Nase vorn und freute sich über ihren zweiten Titel. Ähnlich spannend machten es die Jungen. Lag Jonas Winter, Sektion Barmen, nach der 1. Finaltour noch knapp vor Jan Nauber, Sektion Beckum, so wurde ihm ein kurzer Moment der Unkonzentriertheit in der 2. Finaltour zum Verhängnis und ihm blieb der Vizetitel. Über seinen ersten Meisterschaftssieg freute sich dann umso mehr Jan Nauber, aus dem starken Jugend-Team der Sektion Beckum. Den krönenden Abschlusskampf lieferten sich Johannes Lau, Sektion Frankenthal, und Jonas Baumann, Sektion Wuppertal, bei den Herren, nachdem überraschend Jan Hojer, Sektion Frankfurt, schon nach der Qualifikation die Segel hatte streichen müssen. Zur Freude des heimischen NRW-Publikums hieß am Ende der 1. Westdeutsche Speedmeister Jonas Baumann.
Die Ankündigung von Werner Baumann in seinem Presse-Bericht nach der Westdeutschen Meisterschaft 2007 in Frankenthal: „Nur, damit sich hier keine Weicheiergedanken breit machen. Im nächsten Jahr, liebe Rheinland-Pfälzer, Saarländer und liebe Hessen werden wir uns den einen oder anderen Treppchenplatz zusätzlich heim nach NRW holen!“, setzten die NRWler in Ahlen mit ihren 8 Meistertiteln und etlichen weiteren Treppchenplätzen grandios um.
Bleibt festzustellen, dass
  • die Sektion Münster diese Westdeutsche Meisterschaft mit viel Engagement rund um ihren Wettkampfsportbeauftragten Thomas von Chamier ausgerichtet hat,
  • das BigWall-Team um Ryck Purschke mit gewohnt liebevoller Betreuung zu einem weitestgehend reibungslosen Ablauf der Meisterschaft beigetragen hat,
  • Florian Kops, der wie beim EYS in Wuppertal mit erfrischend lockerem Mundwerk moderierte, nun endlich weiß, dass es nur männliche und keine weiblichen Jungen gibt,
  • Sebastian Gerber sich seit der Siegerehrung hinter der coolsten Sonnenbrille verbergen kann,
  • den hessischen Kaderkletterern der Hochburg Frankfurt in Zukunft Konkurrenz mit den erstarkten Kletterern der Sektion Darmstadt-Starkenburg ins eigene Haus steht, spätestens, wenn im nächsten Jahr das neue Trainingszentrum in Darmstadt eröffnet ist,
  • die NRWler nach ihren 8 Titeln und vielen guten Platzierungen mit viel Selbstbewusstsein in die letzten nationalen Wettkämpfe dieser Saison gehen,
  • das überregionale Fernsehen die Kletterwettkämpfe (neu) entdeckt hat und last but not least
  • sich alle Verantwortlichen der 4 beteiligten Landesverbände nach 3 Jahren Westdeutscher Meisterschaft einig sind, dass dieser Wettkampf Zukunft hat.
Zum Schluss ein dickes Dankeschön an alle Helfer!

Burgi Beste
Fotos: Klaus Hogrebe

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