DAV-KLETTERHALLENTREFFEN IN DARMSTADT
Tatort Kletterhalle: Startschuss für eine drastische Kampagne



Volle Stände beim Kletterhallentreffen in Darmstadt.

Am 21. November traf sich das Who is Who der Kletterhallenszene in Darmstadt. Rund 350
Hallenbetreiber, Wandhersteller, Expertinnen und Experten der Branche kamen im dortigen
Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV) zusammen, um sich über neue Trends,
Produkte und Ideen auszutauschen. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die Themen
Inklusion und Sicherheit. Höhepunkt war die Präsentation eines neuen Plakates im Rahmen
der „Partnercheck-Kampagne“, das in allen Kletterhallen ausgehängt werden soll.

Tatort Kletterhalle

Ganz neu ist die Partnercheck-Kampagne nicht – wohl aber der Stil der Ansprache an die
Kletterszene: Das in Darmstadt präsentierte Plakat zeigt ein recht drastisches Motiv. „Wir
wollen, dass alle Hallenkletterinnen und -kletterer unmissverständlich darauf aufmerksam
gemacht wird, wie wichtig der Partnercheck ist“, sagt DAV-Kletterhallenexperte Elias Hitthaler.
„Denn wir wissen aus unseren Forschungen: Jeder der sechs tödlichen Unfälle in der
vergangenen 15 Jahren in deutschen Kletterhallen hätte bei korrektem Partnercheck vermutlich
verhindert werden können.“ Beim Partnercheck kontrollieren sich die Seilpartner
gegenseitig, ob Knoten und Sicherungsgerät richtig geknüpft und eingehängt sind. Erst
nach dieser Kontrolle geht es in die Senkrechte. Parallel zum Plakat mit Tatort-Motiv erscheinen
zwei weitere Plakate, die zukünftig in Kletterhallen aushängen werden. Das eine
zeigt die wichtigsten Regeln beim Bouldern, das andere zeigt allgemeine Verhaltensregeln
in Kletterhallen. Die Regeln des Seilkletterns in Hallen gibt es schon länger. Zusammengefasst
sind alle Infos zur Partnercheck-Kampagne unter www.sicher-klettern.de

Inklusive Klettern

Das Klettern für Menschen mit Behinderung hat im Alltag der Kletterhallen in Deutschland
inzwischen einen festen Platz. Dennoch: Viele Rahmenbedingungen sind nach wie vor unklar,
viele Potenziale liegen brach. Dr. Marit Möhwald vom DAV-Bundesverband stellte in
ihrem Vortrag die neue Ausbildung zum Trainer C „Klettern für Menschen mit Behinderungen“
vor. Mit dieser neuen Ausbildungslinie macht der DAV einen großen Schritt in Richtung
Inklusion – und damit in eine Richtung, die er in den nächsten Jahren beim Bergsport
insgesamt intensivieren will. Aus der Praxis des „Kletterns mit Handicap“ berichteten Monika
Gruber und Wolfram Bleul vom DAV Frankfurt am Main: Die beiden erfahrenen Kletterer
riefen vor fünf Jahren das ehrenamtliche Projekt „Klettherapie“ ins Leben. Sie und ihre inzwischen
fast 30 Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben bis heute mehrere hundert Menschen
mit körperlichen und geistigen Behinderungen in die Senkrechte gebracht. Wie viel
Engagement und Freude dabei für alle Beteiligten im Spiel war, konnte das Darmstädter
Publikum in eindrucksvollen Videos nachvollziehen.

Das Leben in der Hand

Vielbeachtet im Vortragsprogramm war wie in den Jahren zuvor der Beitrag der DAVSicherheitsforschung. In seinen Ausführungen analysierte Christoph Hummel das Unfallgeschehen in deutschen Kletterhallen in den zurückliegenden drei Jahren. „Bei den schweren
Unfällen taucht – neben Kapitalfehlern wie nicht korrekt geknüpften Knoten – immer wieder
eine Ursache auf: die fehlende Sicherungskompetenz.“ Daraus resultiere eine klare Botschaft:
Üben, üben, üben. Und: Die Wahl des richtigen Sicherungsgeräts. Hummel: „Einsteiger
und Fortgeschrittene sollten halbautomatische Sicherungsgeräte verwenden!“

Branchentreffen Nummer eins

Das Kletterhallentreffen fand mittlerweile zum fünften Mal statt – und zum fünften Mal im
Kletterzentrum Darmstadt. „Dort haben wir ideale Räumlichkeiten, ein perfekt eingespieltes
Team und die Lage mitten in Deutschland“, freut sich Chef-Organisator Elias Hitthaler. Wesentlicher
Bestandteil des Treffens ist nicht nur das Vortragsprogramm, sondern auch die
Branchenmesse. Rund 50 Hersteller von Kletterwänden, Klettergriffen und vielen weiteren
Produkten im Umfeld von Kletterhallen stellen dort inzwischen aus – Tendenz stark steigend.
In diesem Jahr kamen auch Hersteller aus den Niederlanden, Tschechien und Finnland.
Aus Österreich, Spanien, Bulgarien und Italien kommen sie ohnehin schon seit Jahren.

Text/Bilder: © DAV/Christoph Bucher
upload 24.11.2015

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